Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 9 (September 1903)
- Article
- Ein deutscher Philosoph als Philosemit
- Date
- 1903-09-01
- Page
- 518 (sequence 6)
- Language
- German
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518 Im deutschen Reich. gewähren, und mögen Sie die Früchte Ihrer edlen Handlungen und Ihres Wirkens des Lebens in stetem Frohsinn noch lange, lange Jahre genießen! Dies und noch unzählige Wünsche entsteigen meiner Brust für Ihr Wohl heute. Gott lasse sie alle in Erfüllung gehen. Die Angelegenheit unserer Gemeinde scheint auch noch des Segens der Zukunft zu bedürfen. Das Präsidium und der Referent gaben vorlängst die Versicherung, die Sache noch vor Weihnachten in Beratung bey der 2 Len Kammer zu bringen. Man beruhigte sich unsererseits dabey. Es ist aber das Versprechen nicht verwirklicht worden. Ob eine im Dunklen schleichende Jntrigue oder nur der überhaupt sehr langsame Gang der Verhandlungen daran schuld sey, will ich dahingestellt seyn lassen. Wir sind Willens, deshalb ein Crinnerungsschreiben an die 2 te Kammer zu richten, besonders da das Bedürfniß einer Verbesserung unserer Lage täglich dringender wird. Ich muß Ew. W. nur ein neueres Beispiel der schmählichsten Intoleranz mittherlen. Der Mendelssohnverein, stets dahin strebend, die Jugend zu nützlicher Thätigkeit hinzulenken, contrahirte ohnlängst mit zwei hiesigen Schuhmachermeistern wegen Aufnahme israelitischer Knaben als Lehrlinge. Die Meister waren bereitwillig (ein Beweis, daß die wahrscheinliche öffentliche Meinung uns nicht entgegen ist!) allein die Jnnungs-Aelteften protestirten dagegen, und die Sache ist nun bei den Behörden anhängig. Indessen hat der Magistrat uns bis zur Entscheidung der Regierung alles Contrahiren mit Meistern untersagt. Es würde aller gesunden Politik zuwider seyn, wenn die Regierung nicht mehr gestatten wollte, daß israelitische Knaben Handwerke lernten; dies ist ja das beste Mittel, sie vom Schacher abzuziehen und der Civilisation zuzuwendenI Ich habe deshalb ein dringendes Schreiben an die L. Dir. abgeraßt. Gott gebe uns Erfolg! Vielleicht finden E. W. Gelegenheit, Etwas dafür zu thun! Ew. Wohlgeboren rc. Beer." Die Antwort Krug's hierauf lautete: ,/Leipzig, d. 5. Jan. 34. Ew. Wohlgeboren dank' ich herzlichst für Ihre guten Wünsche ebenso herzlich erwiedere ich dieselben für Sie und Ihre ganze Wertheste Familie, der ich mich angelegentlich zu empfehlen bitte. Es ist schlimm, daß sich die Verhandlungen der Kammer so in die Länge ziehen und daß daher Ihre Sache so lange unentschieden