Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 8 (August 1903)
- Article
- Beteiligung von Frauen an dem Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens
- Date
- 1903-08-01
- Page
- 470 (sequence 5)
- Language
- German
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470 Im deutschen Reich. nun auch die Einzelarbeit jedes jüdischen Staatsbürgers schätzen, so sehr wir auch gerade darauf Gewicht legen, den einzelnen zur Selbstwehr zu erziehen, so können wir doch nicht verkennen, daß nur die strenge Centralisierung es uns ermöglicht hat, unsere Bestrebungen mit der Energie und, wo es Not tut, auch mit der Mäßigung durchzusühren, die dem Vereine die bisherigen Erfolge verschafft hat. Hiermit erledigt sich die Frage, inwieweit es wünschenswert erscheint, etwa eine lediglich ethischen Zwecken dienende Vereinigung deutscher Frauen jüdischen Glaubens anzustreben. Auch hier würden wir mit der Gefahr zu rechnen haben, daß die Bildung derartiger Vereine nur als eine Umgehung der Vorschriften des Vereinsgesetzes angesehen werden könnte. Nach dieser Richtung hin sind leider auf ähnlichen Gebieten bereits traurige Erfahrungen zu verzeichnen. Vor allem aber greift auch hier das Bedenken durch, daß eine selbständige Verwaltung derartiger Vereine die Erfüllung unserer Dereinsaufgaben erschweren müßte. Wir dürfen niemals vergessen, daß wir, wie der Name unseres Vereins besagt, in erster Linie die Betätigung unserer staatsbürgerlichen Rechte erstreben. Zst die Erfüllung dieser Aufgaben auch zum wesentlichsten Teile nur auf der Basis breiter ethischer Bestrebungen möglich, so dürfen wir das Hauptziel unserer Nereinstätigkeit doch nicht verdunkeln lassen und müssen jede Verwischung unserer klaren Ziele vermeiden. Ich schließe mit der Bitte an die deutschen Frauen jüdischen Glaubens, zu ihrem Teile dazu beizutragen, daß ein so unglückliches Vereinsrecht, wie namentlich das preußische, über den Haufen geworfen wird, und, bis dies geschehen ist, mit der Kunst der Entsagung, welche die Frauen ja ziert, auch ohne Mitgliedschaft uns treu zur Seite zu stehen/Z Wir können diese Hilfe nicht missen! Rechtsanwalt Dr. Julius Brodnitz-Berlin. *) Tatsächlich geschieht dies seitens zahlreicher Frauen, die sich durch Abonnement aus unsere Vereinszeitschrift an unseren Bestrebungen beteiligen.