Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 8 (August 1903)
- Article
- Nachklänge zu den Reichstagswahlen
- Date
- 1903-08-01
- Page
- 457 (sequence 1)
- Language
- German
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Im deutschen Keich. ZeriWrifr des Keiltrslvemlis öktlUtt SiskiMirga Disches GlWhM. - ~ ErschLint jtaälfmat im Jahre. IX. 3«lm*. Berlin, August 1903. Wr. 8. Wachkkange zu den WeichstagswahKn. ^^ie Hoffnungen, welche von den verschiedensten Seiten auf SJM die letzten Reichstagswahlen gesetzt wurden, haben sich nur in sehr mäßiger Weise erfüllt. Durch den Ausfall der Stichwahlen sind die Verhältnisse, die sich anfangs zum Nachteile einzelner Parteien etwas verschoben hatten, wieder so zurecht gerückt worden, daß der neue Reichstag im wesentlichen fast dasselbe Gepräge wie der verflossene tragen dürfte. Die liberalen Parteien haben zwar durch die Stichwahlen eine Anzahl von Mandaten wiedererlangt, aber sie kehren doch erheblich geschwächt zurück, sodaß die Reihen der freisinnigen Volksvertreter, die gegen die Rückschrittler und antisemitischen Wühler mit Energie aufzutreten pflegten, doch empfindliche Lücken aufweisen. Besonders bedauerlich ist es, daß Dr. Barth, wenn auch nur mit geringer Minderheit, gegen einen Konservativen unterlag. Nach wie vor haben die reaktionären Parteien im Deutschen Reichstage das Uebergewicht, wenn sie von dem Centrum, das fast ungeschwächt aus dem Wahlkampf hervorgegangen ist, in wichtigen Fragen Unterstützung erlangen. Die Sozialdemokratie, die eine sehr bedeutende Anzahl von Mandaten errungen hat und bei der ungewöhnlich scharfen Jagd nach denselben sogar mit den Antisemiten Wahlkompromisse nicht verschmäht haben soll, wird hoffentlich im Reichstage der Reaktion gegenüber ein nicht zu unterschätzendes Gegengewicht bilden. Die Vorgänge während des Wahlkampfes dürsten für die Haltung, der Parteien während der Reichstagssesston kaum maßgebend sein. Die rückschrittlichen Politiker gehören fast sämtlich zu den Leuten, die nichts gelernt und nichts vergessen haben, auch nie daran denken, daß der Bogen, allzu straff