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Im deutschen Reich · 1903-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1903) · p. 413

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1903)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1903-06-01
Page
413 (sequence 4)
Language
German
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Umschau. 418 Bundes ausrief, man solle doch lieber die eine Hälfte Deutschlands den Russen und die andere den Franzosen geben, dann wäre die Qual mit einem Mal aus." Trotzdem die Konservativen bei der Reichstagswahlagitation in vielen Wahlkreisen mit den radikalen Antisemiten Hand in Hand gingen und diese vielfach Unterstützung bei regierungsfreundlichen Männern fanden, die sich über die großen Gefahren der Volksaufwiegelung ihrer antisemitischen Schützlinge täuschen ließen, behaupteten die meisten Blätter der Antisemiten beständig, daß die Regierung sie im Stiche gelassen und gezwungen hätte, sich zu einem kräftigen „Selbst ist der Mann!" aufzuraffen. Bei früheren Wahlen hätten sie als Lohn dafür, daß sie die Regierung in den wichtigsten Fragen unterstützten, bei ihr noch einen gewissen Rückhalt gefunden. Sie verrennen, daß man so viel schon für sie getan, „daß mehr zu tun fast nichts mehr übrig bleibt". Wer diesen strebsamen Politikern den kleinen Finger giebt, von dem fordern sie eben die ganze Hand; wer ihre Lohndienerei in Anspruch nimmt, muß, wenn ihnen der Lohn nicht genügt, ihre Frechheit mit in den Kauf, nehmen. Wie haben die antisemitischen Blätter einst den Grafen Waldersee vergöttert, als durch ihn der damalige Prinz Wilhelm zum Besuch einer Stöcker-Versammlung veranlaßt wurde; jetzt kanzeln sie den Feldmarschall wie einen Schulbuben ab, weil er während seiner letzten Anwesenheit in Rom den „katholischen" Jesuiten-General besucht hat. „Man denke nur", schreibt die „Deutsche Wacht", „bei dem obersten Befehlshaber und Vertreter eines im Deutschen Reich* verbotenen Ordens fährt der höchste militärische Würdenträger aus dem Gefolge des in Rom weilenden deutschen Kaisers vor und stattet dem 'Spanier Pater Martin, der seit 1892 Nachfolger des Ignaz v. Loyola ist, seinen verbindlichen Besuch ab". Für Antisemiten, die das Kaiserwort nicht verstehen wollen, „daß wir uns doch nicht wie unsere Altvorderen über religiöse Fragen die Köpfe einschlagen können", ist es natürlich unfaßbar, daß Graf Waldersee Zwischen dem „Scheiterhaufenbrief-Stöcker" und dem Jesuiten-General in Rom keinen großen Unterschied macht, oder durch Erfahrungen belehrt worden ist, letzterem sogar den Vorzug zu geben. Schlimm genug ist es, daß es sich bei der Agitation vor den Reichstagswahlen wieder erwiesen hat, wie selbst in den einflußreichsten Kreisen konservative Politiker vorhanden sind, die minder verständnisvoll als der Feldmarschall „nichts gelernt und nichts vergessen" haben. Wunderbar ist es, wie manche Ritter von der traurigen Gestalt etwas Großes getan zu haben meinten, wenn sie sich öffentlich von dem Sansculottisten Ahlwardt lossagten, dafür aber dem minder burlesken, aber

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