Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-06-01
- Page
- 411 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 412 Muschiks herabzudrücken! Dem Redakteur eines südrussischen Blattes „Besiarabez", Kischinew, mag es gelingen, die Rivalität des russischen Finanzministers Witte und des Ministers des Innern von Plehwe, dazu zu benutzen, straflos ein zweilagiges Blutbad anzustiften, um seinem Judenhaß zu fröhnen und seinen verkommenen Anhängern die Möglichkeit zu gewähren, durch Raub und Mord sich die Mittel zu verschaffen, die sie sich durch ehrliche Arbeit nicht erwerben wollten, aber der feste Sinn für Ordnung und Gesetz, der im deutschen Staatswesen lebt und webt, der auch in den Herzen der meisten deutschen Handwerker, Arbeiter und Landleute eine feste Stätte hat, begünstigt solche lichtscheuen Pläne der wenigen deutschen Zunflgenoffeu Kischinews glücklicherweise nicht. Wie die Antisemiten auch, um mit Goethe zu reden, mit ihren „schnurrenden Flügeln" Fürst und Volk zu umspinnen trachten; sie kommen nicht zum Ziele, weil die Geistesuud Herzensbildung deutscher Männer eine ganz andere ist wie diejenige russischer Muschiks und rumänischer Banausen. Die tiefe Enttäuschung, welche diese Erkenntnis bei den antisemitischen Aufwieglern Hervorrust, veranlaßt diese, nicht nur über den „jüdischen Geist" zu schimpfen, von dem sie das starke, reine, deutsche Volk vergebens zu befreien gesucht hätten, sondern auch die loyale Maske zu lüften, die sie manchem Leichtgläubigen früher als monarchisch gesinnte Männer gelten ließ. Dabei gehen sie unvorsichtigerweise sc weit, mit Empörung zu drohen. Das führende Antisemitenblatt, welches sich wiederholt unterfangen hat, dem Monarchen Vorschriften' Zn machen, wen er empfangen dürfe und wen nicht, schreibt: „Wenn das so weiter geht, kommen wir nach und nach dahin, daß die Juden die eigentliche Hofgesellschaft bilden und daß die Christen als minderwertige arme Schlucker in die Ecke gedrängt werden. Die hohen Herren, die sich heute von dem sogenannten „jüdischen Wohltätigkeitssinne" täuschen lassen, die den armen Christen übersehen und dem reichen Geldjuden den Eingang überall öffnen, laden eine schwere Verantwortung aus sich. Don ihnen wird die Nation Rechenschaft fordern, wenn der Zusammenbruch vor der Tür steht." Dieselben antisemitischen Blätter, deren Redakteure teils unter konservativer, teils unter agrarischer Protektion sich um Reichstagsmandate bewerben, zetern darüber, daß sie nicht genügeude Unterstützung seitens der Regierungsbehörden erhielten, um sich in das Parlament einzuschmuggeln, um dort dann als „Volksvertreter" der Regierung anüiemitische Verhaltungsmaßregeln vorschreiben zu können. Dies zu erzwingen, arbeiten sie mit Köder und Popanz und insbesondere glauben sie, mit dem ^Zusammenbruch, der vor der Tür stehe", die maßgebenden Kreise einzu-