Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1903)
- Article
- Berlin
- Date
- 1903-05-01
- Page
- 355 (sequence 4)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 355 werb von Grund und Boden, ausgenommen in den Ghettos, soll ihnen verboten sein. Den Juden soll die Ausübung von Handel und Gewerbe erlaubt sein, aber sie sollen nur auf die Hilfe ihrer Glaubensgenossen angewiesen sein. Kein Rastelbinder und KroaL, kein Wenzlicku und Jaromir, keine Hanka und Cenzi darf den Schimpf erfahren, in Diensten von Juden zu stehen. Die Uebernahme öffentlicher Aemter soll den Juden unbedingt untersagt sein. Ihre Bildung soll künstlich herabgedrückt werden, indem sie auf den Besuch von sogen, eigenen Judenschulen angewiesen sein sollen, die von der Judengemeinde unterhalten werden. Jedem Juden soll der Besuch der „für Staatsbürgerzugänglichen^ Volks-, Bürger-, Mittel- und Hockschulen untersagt sein. Den Juden soll die Ausübung des Richteramtes, des ärztlichen Berufes, der Rechtsanwaltschaft, des schriftstellerischen Berufs verboten sein; kein Jude soll Herausgeber, Schriftleiter oder Mitarbeiter von Druckschriften sein dürfen. Die Einwanderung von ausländischen Juden soll verboten sein. — Dies die Anträge im österreichischen Reichsrat. Hinzuzufügen ist diesem Belegstück eines brutalen, bis Zum Wahnwitz gesteigerten Hasses, eines Hochmutes, der aus dem Zufall der Geburt, der Abstammung seine Nahrung bezieht, nichts. Es ist ein Denkmal von der Zeiten Schande!" V:' Potsdam, 1*2. Mai. In der gestern hier abgehaltenen Hauptversammlung der kirchlichen Konferenz der Kurmark sprach Prof. Di*. Oekli-Greifswald über „den religiösen Wert des Alten Testamentes für den Christen." Er kam dabei zu folgenden Schlußsätzen: 1. Der eigentliche Vorzug der Religion Israels ist nicht sowohl der Monotheismus als die Lebensgemeinschaft mit Gott, gegründet auf göttliche Offenbarung. 2. Das primäre Organ derselben ist die Prophetie; als solches erweist sie sich: a) durch ihr unfehlbar sicheres sittliches Urteil; d) durch ihren religiösen Pragmatismus; c) durch ihre teleologische Geschichtsauffassung. 3. Durch die Prophetie wurde das Erleben Gottes Gemeingut vieler; sie gewannen durch das prophetische Zeugnis in vorbildlicher Weise den Gebetsverkehr mit Gott, die Sündenvergebung und den Sieg über - das Leiden. 4. Das Alte Testament ist die trotz menschlicher Unvollkommenheit getreue Urkunde dieser religiösen Geschichte und bietet daher das unentbehrliche Paradigma für die religiösen Grunderlebnisse dar. co Magdeburg, 1. Mai. Vor dem hiesigen Landgericht hatte sich der hiesige Kaufmann Wilhelm Hübner, der s. Zt. hier den Vorsitz in einer antisemischen Versammlung geführt hat,* wegen unlauteren Wettbewerbs zu verantworten. Nach Be-