Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1903-05-01 · Heft 5 (Mai 1903) · p. 339

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 5 (Mai 1903)
Article
Warum und wo kolonisiert werden muß
Date
1903-05-01
Page
339 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316701-2316707-2331467--11039-2331557
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Warum und wo kolonisiert werden muß. 339 in Anspruch nehmen, sie verdienen es in stärkerem Grade, als manche andere jüdischen Fragen. Wie kann dem Niedergehen der jüdischen Volkskraft gesteuert, wie der begonnenen Degeneration Einhalt getan werden? Es gibt nur eine Lösung dieser Frage. Allein der Landbau kann dem Verfall entgegenarbeiten. Das Judentum hat wohl, im Westen wenigstens, genug Offiziere, aber keine Mannschaften. Seinem Gesellschaftsbau fehlt die gesunde Grundlage des vierten Standes, auf dem sich ein starker Volksbau erheben muß. Die Zusammensetzung aus lauter Intellektuellen mag ein schönes Zeugnis ungebrochener und unverwüstlicher Geisteskraft geben, eine Gewähr für die Erhaltung und Erstarkung gibt sie nach den bisher gemachten Erfahrungen nicht. Man vergleiche die deutschen Juden mit den deutschen Polen. Größere Gegensätze in kultureller Beziehung kann es kaum geben. Auf der einen Seite die höchste Anspannung aller Geisteskräfte, die Durchdringung auch der niederen Schichten mit modernem Kulturgute, und auf der anderen Seite fast ein Zustand kultureller Unberührtheit und Jungfräulichkeit. Die große Masse des polnischen Volkes kann zwar nur mit Mühe und fast unter Anwendung von Gewalt dem Analphabetentum entrissen werden, aber seiner physischen Ungebrochenheit verdankt es ein Wachstum, eine so kolossale Vermehrung, daß seine Fortdauer von niemand angezweifelt werden kann. Vielmehr bildet die Vermehrungskraft und Aufsaugungsfähigkeit der Polen einen dauernden Gegenstand der Sorge der preußischen Regierung, Sie sind nicht in Gefahr, verschluckt zu werden, sondern es gelingt ihnen trotz ihres niederen Kulturstandes noch, rein deutsche Volksteile sich einzuverleiben. Diese Tatsache ist wohl geeignet, uns von unserer Ueberschätzung moderner Bildung ein wenig zu heilen. Mag ihr Wert für den einzelnen noch so hoch angeschlagen werden, wird die Gesamtheit damit überpäppelt, so entstehen für sie die nachteiligsten Folgen, wie das in seiner leiblichen Existenz schwer getroffene Judentum zur Genüge lehrt. Ein Rettungsmittel gegen diesen Verfall liegt einzig in der Wiedereinpflanzung in ländlichen Boden. Aus ihm kann der morsche Stamm neue Lebenssäfte trinken, aus seinen Kräften neue Nahrung ziehen. (Schluß folgt.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.