Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1903)
- Article
- Warum und wo kolonisiert werden muß
- Date
- 1903-05-01
- Page
- 336 (sequence 2)
- Language
- German
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336 Iw deutschen Reich. der immer schwierigeren Lage des Handels muß man auf andere Erwerbszweige sinnen, die noch ein Zuströmen weiterer Arbeitskräfte vertragen. Auf den Gebieten der von den Juden vorzugsweise gepflegten Gewerbe ist schon seit langem eine solche Ueberfüllung vorhanden, daß eine noch größere Ueberflutung von Menschenmaterial die Lage der anderen gefährden muß. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum verlangt werden muß, daß größere Bevölkerungsteile der Juden zum Ackerbau übergeleitet werden. Es sind noch andere Nebelstände da, deren Beseitigung nur durch die Erschließung neuer Arbeitsgebiete möglich ist. Mit der Berufswahl hat man in den unteren Klassen der Weniggebildeten seine liebe Not. Gewiß nicht alle wenden sich aus Neigung oder angeborener Fähigkeit dem Handelsstande zu. Es sind ja nur zwei Wege offen: Studium oder Handel. Wessen geistiger und materieller Fond zum Studium nicht ausreicht, der muß sich notgedrungen in die Arme Merkurs flüchten, obwohl so mancher bei freier Bahn sich lieber für den kleinen Beamtenstand entscheiden würde. Aber vor der Pforte dieser Berussart steht für die Juden das Wort: Laßt alle Hoffnung fahren. Erst verschließt man den Juden den Zugang zu dieser allerdings nur mäßig gelohnten Tätigkeit, um hinterher mit gut gespielter Entrüstung behaupten zu können: Hier sind keine Juden anzntreffen, wo es so wenig Profit gibt; der Jude sucht sich fettere Weide. Gewiß zeigt der Beamte einen idealen, zufriedenen Sinn; bei oft anstrengender Berufspflicht hat er nur ein bescheidenes Gehalt. Aber viele Juden würden gern in subalterne Stellen einrücken, um schon in jungen Jahren sich eine immerhin gesicherte Existenz zu gründen. Solche Betätigung bescheidener Denkart hat man den Juden unmöglich gemacht, wahrscheinlich ans Furcht, sie könnten gleichfalls diese Tugendprobe bestehen. So wünschenswert der breitere Zutritt zur Beamtenlaufbahn auch wäre, er hängt nicht von Mächten ab, deren Beeinflussung in unseren Kräften steht. Aber nicht blos die ungesunde Stauung in den wenigen uns zugänglichen Gewerben ist es, die zu einem Aufsuchen neuer Betätigungsarten auffordert. Bei der hermetischen Abschließung der Juden von der Beamtenkarriere bleibt fast nur der Bauernstand übrig, dem weitere Volksmassen zuzuführen wären. Aus dem Fehlen des Bauernstandes, des Grundpfeilers des gesellschaftlichen Baues, ergeben sich zahlreiche Folgeübel, die das Judentum an den empfindlichsten Stellen treffen. Der ländliche Teil des Volkes ist in seiner körperlichen Be-