Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1903)
- Article
- Eine Ritualmordbeschuldigung und ein Zeugnis der preußischen Regierung vor 100 Jahren
- Date
- 1903-05-01
- Page
- 334 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316701-2316707-2331465--11030-2331552- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
334 Im deutschen Reich. Ritter de Cholewa Paulikowski unter dem Titel: „Der Talmud in der Theorie und in der Praxis" ein giftgefchwoüenes Buch, in welchem er 73 historische Fälle des Ritualmords vorträgt. Auf S. 272 ff. ist der historische Fall Nr. 64 die oben geschilderte Geschichte des Ritualmords vom Buchhof, Wort für Wort abgeschrieben vom Pfarrer Oertel. Wäre es da nicht an der Zeit, daß der Knabe Makel dieselbe Belohnung empfange wie der Knabe Simon von Trient? Der vorgetragene Fall ist darum so interessant, weil er an einem klassischen Beispiel, dessen Quellen glücklicher Weise der Nachforschung und Nachprüfung noch nicht unzugänglich geworden, den Beweis liefert, wie die „historischen" Fälle des RiLualmordes gemacht werden! Korpsstudenten. Juden und getaufte Inden. '^Mon befreundeter Seite wird uns nachstehender Brief eines in Südwohnhaften christlichen Arztes zur Verfügung gestellt: Lieber .! Es ist mir immer eine besondere Freude, von Dir zu hören, wenn auch der Anlaß Deines heutigen Schreibens kein sehr angenehmer ist. Denn ich vermeide es soviel wie möglich, mit Juden über Antrsemitismus zu sprechen, weil selbst sehr gebildete Juden dabei leicht ausfallend und nervös werden, was übrigens bei der Art, wie sie oft angegriffen werden, durchaus verständlich ist. Wie nun einmal die Verhältnisse liegen, wird es heute auch einem getauften Juden nicht leicht, in ein Corps hineinzukommen: das gelingt ihm vielleicht bei einem Bunde, der auf schwachen Füßen steht, bei einem so gut fundierten, wie die.sicher nicht. Ein geraufter Jude, gleichfalls Sohn eines angesehenen Kollegen, wurde vor' einigen Jahren von den.und. in.abgewiesen. Dann wollte er zu uns; ich riet aber ihm und dem Bunde ab, nicht weil er von jüdischer Herkunft war, sondern weil ich es für den Ausdruck einer niedrigen Gesinnung ansah, daß sich ein junger Mensch eine solche Abweisung gefallen ließ, ohne dagegen aufzumucken. In.sind manchmal ziemlich viel getaufte Juden, besonders bei.aktiv. Da muß er aber einen Monatswechsel von wenigstens 300 Mark haben. Auch in.und wird er vielleicht angenommen.