Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1903)
- Article
- Eine Ritualmordbeschuldigung und ein Zeugnis der preußischen Regierung vor 100 Jahren
- Date
- 1903-05-01
- Page
- 328 (sequence 1)
- Language
- German
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328 Fm deuts chen Reich. Kine MLuaLmordSeschukdigung und ein Zeugnis der preußischen Wegierung vor 100 Jahren. Bon Vr. A. Eckstein. ||||j§uä) RituaimordveschuldigungM haben ihre Jubiläen. In einer SWP Zeit, in welcher die Bannflüche des Königs Soundso und die.. Geschästsur-kunden der weltberühmten Firma Egibi & Söhne, des größten Handlungshauses, das vor 4000 Jahren in Babylon geblüht hat, wie kostbare Schätze aus der Erde gegraben werden, darf man wohl Urkunden aus dem Staub der Archive ans Licht der Oessentlichkeit bringen, welche beweisen, wie herrlich weit es die Menschheit nach einer Entwickelung von 4000 Jahren gebracht hat. Freilich, wenn wir in jenen glücklichen Zeiten leben würden, wo man nach den Gesetzen Hammurabrs dem Verbreiter einer wissentlich falschen Verleumdung „seine Stirn marken" würde, und wenn wir erst so weit gekommen wären, daß man den Menschen nm seiner selbst willen achtet und verachtet, ohne nach seinem Glaubensbekenntnis und nach seiner Abstammung zu fragen, dann freilich würden wir die Akten, welche uns über Ritualmordbeschuldigungcn zu erzählen wissen, einstampfen lassen und die Gespenster des Wahns und des Aberglaubens in die Nacht zurückweiseu, aus der sie stammen. Solange das aber nicht der Fall ist solange noch Zeugnisse für die Wahrheit der Ritualmordlüge gesammelt werden, solange wird es nicht unzeitgemäß sein, Zeugnisse zu sammeln gegen die Ritualwordlüge. Was werden wohl die preußischen Antisemiten zu dem Zeugnis einer preußischen Regierungsbehörde sagend") Es ist die alte Geschichte, die ewig neu bleibt. Anfangs März 1803 wurde in der Nähe von Altstadt im Kreise Neustadt/'Aisch, welcher zu dem damals unter preußischer Landeshoheit stehenden Fürstentum Bayreuth gehörte, ein christliches Kind im Alter von 2 Jahren vermißt. Das arme Kind hatte sich wohl verirrt und wurde nach 3 2 Tagen auf einem Acker tot aufgefunden. Der kleine Leichnam wurde gerichtlich untersucht, und nach Aussage des über die Sektion aufgenommenen Protokolls hatte das Kind den Tod des Er- *) Die Kenntnis der Akten, aus denen das Nachfolgende geschöpft ist, verdanke ich der Güte des Herrn Bernh. Seligsborg in. Bayreuth, Vorstehers der dortigen israelitischen Kultusgemeinde, der mir dieselben zuw. Zwecke der Bearbeitung für die Leser dieser Zeitschrift überlassen hat.