Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- Berlin
- Date
- 1903-04-01
- Page
- 298 (sequence 3)
- Language
- German
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298 Fm deutschen Reich. Werkzeuges des Herr n Brüh« war wenig gelegen. Böckler ist gerettet, die „StaatsLürger-Ztg." aber gerichtet und die Beschimpfung der jüdischen -Religionsgemeinschaft gesühnt, soweit dies auf gerichtlichem Wege möglich war. Fast unmittelbar, nachdem in Könitz die vermißten Leichenteile des unglücklichen Gymnasiasten Winter gefunden wurden, fand am 17. d. M. eine Verhandlung vor dem Reichsgericht statt, deren Hintergrund der Konitzer Mord bildete. Als die Untersuchung in jener Sache schwebte, erschien in Berlin eine Reihe von Artikeln in der „Staatsbürger- Zeitung", in welchen behördliche Organe und Privatpersonen, welche in jener Angelegenheit tätig waren, abfällig besprochen wurden und die Behauptung aufgestellt wurde, daß aus staatlichen Rücksichten ein besonders vorsichtiges Vorgehen gegen die Juden ungeordnet sei. Wegen dieser Artikel wurde der Redakteur der „Staatsbürger-Zeitung'' Dr. Paul Bötticher und der Verleger jenes Mattes Wilhelm Bruhn von dem Landgericht I in Berlin auf Grund der §§ 185, l8l> Str.-G.-Bs, zu 1 Jahr bezw. ü Monaten Gefängnis verurteilt. Das Urteil betonte, daß die Angeklagten mit der Ehre der Mitmenschen ein grausames Spiel getrieben und die Aufregung in Könitz geschürt hätten. Gegen dieses Urteil hatten Dr. Bötticher und Bruhn Revision beim Reichsgericht eingelegt, dessen zweiter Strafsenat am 17. März die Revision verworfen hat. Die „Staatsbürger-Zeitung" meldete das Mißgeschick der Herren Bruhn und Dr. Bötticher mit den Worten: „Die Herren werden, falls eine Wiederaufnahme des Verfahrens nicht durchgesetzt werden kann, in kürzerer Zeit ihre Strafe antreten müssen, während die Mörder nach wie vor sich der goldenen Freiheit erfreuen." — Hoffentlich wird dies nicht mehr lange der Fall sein! Gottes Mühlen mahlen langsam aber sicher! Die „Staatsbürger Ztg." widmete am 4. d. M. einem ihrer Anhänger folgenden Nachruf: „Ein wackerer und eifriger Gesinnungsgenosse, der Magistrats-Bureaugehilfe Ernst Becker, ist gestern morgens um ItzZ Uhr verstorben. Becker war Mitglied des D. A. B. und gründendes Mitglied des D. V. N.". — Da spricht man von Cliquen- und Pascha-Wirtschaft im Roten Hause! Ob wohl Dr. Lueger und Strohbach in Wien einen Magistrats-Bureaugehilsen dulden würden, der ihnen als ein eifriger Gesinnungsgenosse ihrer erbittersten Gegner bekannt ist? Die Fachzeitschrift „Der Deutsche Cigarrenhändler" veröffentlichte in ihrer Nr. 8 vom 28. Februar d. I. einen von Ernst Hans Neu seid verfaßten Londoner Brief, in welchem der Verhängnis-