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Im deutschen Reich · 1903-04-01 · Heft 4 (April 1903) · p. 277

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 4 (April 1903)
Article
Jüdische Dänen
Date
1903-04-01
Page
277 (sequence 13)
Language
German
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Jüdische Dänen- 277 Ferner kann and) nicht geleugnet werden, daß die andern Dänen in mancher Hinsicht (z. B. bezüglich des Temperaments) sich noch immer etwas von den jüdischen Dänen unterscheiden mögen, wie dies selbstverständlich erscheint, wenn man erwägt, daß die vollständige Emanzipation erst ein halbes Jahrhundert alt ist. Trotzdem ist aber der Unterschied zwischen uns und den andern Dänen kaum so groß wie zwischen dem Gascogner und dem Normanden, bei weitem nicht so groß, wie zwischen einem Bayern und einem Preußen. Sind wir auch in Kopenhagen (welches sonst durch Einwanderung vom Lande her großgewachsen ist) eigentlich fester und sicher länger zu Hause, als die meisten andern Bewohner der Stadt, so empfinden wir doch nicht uneingeschränkt die wundervolle Ruhe des Besitzes. Der — wenn auch fast immer unbegründete — Argwohn, daß wir nicht ganz mitgerechnet werden, das Gefühl, daß wir denkbarerweise einmal bei unsern Mitbürgern auf etwas Zurückhaltung stoßen könnten, schlummert in uns und trägt da^u bei, daß wir nicht immer dem von uns eingeschlagenen Wege mit der Unbefangenheit wie unsere uichtjüdischen Landsleute folgen. Alles andere haben wir in Dänemark, nur noch nicht unbedingt die innerliche Ruhe. Diese Unruhe oder Scheu — denn mehr ist es nicht — ist schließlich nichts unbedingt übles, denn die nie erschlaffende Energie, mit welcher wir besorgt find, die bestmöglichen dänischen Bürger zu sein und die schlechten Elemente der Gemeinde von innen zum Bürgertum zu erziehen, ist darin begründet; die Scheu ist ein nützlicher Sporn geworden. Dänen sind wir, als Dänen sind wir anerkannt, aber die Existenz einer, wenn auch nicht großen Verschiedenheit — aktiv wie passiv gefühlt — zu verneinen, ist Selbsttäuschung. Schluß. Vollbürger sind die jüdischen Dänen; von den Mitbürgern in allen öffentlichen und privaten Angelegenheiten, von den Regierenden bei allen erdenklichen administrativen Angelegenheiten völlig, unverkürzt als Dänen behandelt. Die wenigen, unter der Oberfläche liegenden Eigentümlichkeiten unseres Daseins werden in der nächsten Generation wohl schon verschwunden und unsere Nachkommen in vollster Bedeutung des Wortes in Dänemark erblich zu Hause sein; bekommen sie dazu den notwendigen Frieden — und der ist nicht bedroht — so wird es gewiß so kommen. Möge nur auch dann das Bewußtsein bestehen, daß die jüdischen Dänen auch die Pflicht haben, die besten Dänen zu sein. Kopenhagen, Dezember 1902. Jvar Berendsen.

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