Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 4 (April 1903)
- Article
- Die bevorstehenden Reichstagswahlen
- Date
- 1903-04-01
- Page
- 264 (sequence 4)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. einzelnen anheimgestekt werden, nach eigenem besten Ermessen seine Stimme in solchen Wahlkreisen abzugeben, in denen die aufgestellten Kandidaten etwa dem Antisemitismus gleich wohlwollend oder aber auch gleich fremd gegenüberstehen. In Betracht zu ziehen wäre auch, welche Wahl das kleinere Uebel bedeuten würde. Wir behalten uns vor, über die Sachlage in einzelnen Wahlkreisen noch zu berichten. Wir bitten unsere Mitglieder, im besondern unsere Vertrauensmänner, ein wachsames Auge auf die Wahlbewegung zu haben, unser Bureau (Berlin, Karlstr. 26) aus dem Laufenden über wichtigere Begebenheiten zu halten, besonders da, wo ein Einchreiten unsererseus wünschenswert ist. Eine ganze Reihe antisemitischer Kandidaturen wird mit Erfolg bekämpft werden können, wenn die Gegenparteien und unsere Glaubensgenossen ihre Schuldigkeit tun, z. B. Arnswalde (Ahlwardt), Pirna (Lotze), Flensburg (Raab), Halberstadt (Förster), Wetzlar. (Giese), Schlochau-Flatow (Böckler), Siegen (Stöcker) u. a. Einige antisemitische Kandidaturen sind überhaupt nur als Zählkandidaturen zu betrachten. An unsere Glaubensgenossen ergeht die dringende Aufforderung, im Wahlkampfe und bei der Abstimmung auf dem Posten zu sein. Auch wenn es uns nur gelingt, einen Teil der unheilvollen antisemitischen Scharen aus dem Felde zu schlagen, so ist schon viel gewonnen. Unheilvoll sind sie nicht nur dem Judentum; unheilvoll sind sie dem gesamten deutschen Vaterlande. Der Antisemitismus untergräbt den Frieden in der Bevölkerung, er wirkt lähmend auf Handel und Wandel, er wirkt zersetzend auf die Sitten und untergräbt schließlich die Achtung vor Recht, Gesetz und dem Thron. Er züchtet nicht Patriotismus, sondern Chauvinismus. Traurig genug, daß hohe und niedere Behörden die Gefahren, die ihnen selbst und dem Staate drohen, vielfach noch verkennen und die Antisemiten im Wahlkampfe begünstigen, wie z. B. Herrn Bruhn vermittelst des amtlichen „Friedeberger Kreisblattes". W. «ZK