Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 3 (März 1903)
- Article
- C. L., Berlin
- Date
- 1903-03-01
- Page
- 248 (sequence 3)
- Language
- German
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248 Im deutschen Reich. alle Bürger, welche sich von jenen Freunden des romantischen Mittelalters nasführen lassen, damit sich wieder in die Knechtsstellung der Raubritterzeit hineindrängen lassen, daß alle Bauern, welche den Judenhetzern ihr Ohr leihen, wieder jene Zeit herbeiführen helfen, in denen sie Frohndienste leisten und der Schmach des sus primae noctis sich fügen mußten, wird viel zu wenig betont. Sie mögen es glauben oder nicht, Tatsache bleibt es doch: mit der Gleichberechtigung aller religiösen Bekenntnisse steht und fällt nicht die Sache der Juden, die jahrtausendelange Leiden überdauert hat, sondern die gesamte Freiheit aller deutschen Bürger! K. G., Nordhausen. Der Abdruck des Berichts über den Vortrag des dortigen Lehrers Karl Meyer über die Geschichte der Juden in Nordhausen in der „Staatsbürger-Zeitung" hatte nur den Zweck, bei ihren Lesern die Lust an mittelalterlichen Judenverfolgungen anzuregen. Daß die Schlußbewerkung „Die Juden stehen dem Christentum wie vor tausend Jahren feindlich gegenüber'' nicht von Herrn Meyer herrührt, sondern Staatsbürger - Zeitungs- Mache ist, wird sich jeder selbst sagen. Weil sie keine Feinde des Christentums sind, stehen sie dem Antisemitismus feindlich gegenüber, welcher das Judentum fördert, indem er es durch die Abwehr wieder festigt und adelt, auf das Christentum aber einen Einfluß ausübt, von dem einst ein minder subjektiv veranlagter Historiker als Treitschke berichten wird: „Die Antisemiten waren das Unglück des Christentums." O. S., Komtz. Ueber die angebliche Entdeckung des I)r. Wittig in Danzig brachte die „Danziger Allg. Zeitung" eine Notiz, wonach den Untergrund der Entdeckung die Aussage einer Beawtensrau bilden sollte, deren Z^jähriges Söhnchen am 15. Januar beinahe von „einem kleinen Mann von jüdischem Typus" entführt worden wäre, wenn nicht ihre rasche Wiederkehr aus der Markthalle dies verhindert hätte. Dazu bemerkt das antisemitische „amtliche Publikationsorgan" von Bütow: „Herr vr. Wittig in Danzig wird sich diesen Spieß nicht aus den Händen reißen lassen! Durch die nervöse Unruhe der Judenblätter, die er gehörig abführt, sicher nicht!" — Herr Röhl in Bütow ist also von dem Werte der Wittigschen Abführmittel überzeugt; das genügt! L. K., Marieuwerder. Auf einen solchen Artikel über die Freisprechung des Bürgermeister Otto Voigt in Märkisch-Friedland haben s. Z. bereits die „Schneidemühler Zeitung" und „Deutsch-Kroner Zeitung" Entgegnungen gebracht. In beiden Blättern wurde die