Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 3 (März 1903)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1903-03-01
- Page
- 244 (sequence 6)
- Language
- German
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244 Zm deutschen Reich. H. Pick, Rechtsanwalt Josephfon-Potsdam, Louis Wiener, Abrahamfon und Adolph Cohn ähnliche Ansichten bekundet hatten, fand spät, kurz vor 1 Uhr nachts, ein von Herrn M. Ullendorfs gestellter Schluß- Antrag Annahme. Der Vorsitzende betonte in den Schlußworten, daß er absichtlich der Redefreiheit den weitesten Raum gegönnt habe, aber es für seine Pflicht erachte, seiner durch die Erfahrungen des so schön verlaufenen Stiftungsfestes gefestigten Ueberzeugung Ausdruck zu geben, daß der Central - Verein nicht nur die Maffe der gereisten jüdischen Männer, sondern auch die weitaus größte Mehrheit der gebildeten jüdischen Jugend hinter sich und damit die Zukunft für sich habe. ' A. L. Briefkasten der Redaktion. An nichtjüdische Leser dieser Zeitschrift. Auch in die Vorbereitungen zum christlichen Osterfeste klingen seit einiger Zeit alljährlich Mißtöne, die im schroffsten Gegensatz stehen zu dem Gebote der Nächstenliebe. Antisemitische Hetzer geben alljährlich in Leitartikeln und Flugblättern die Losung aus: „Kauft Konfirmations-Geschenke nicht bei Juden." Unmöglich ist dies eine Bekundung wahrhaft christlich-deutscher Gesinnung, hohe religiöse Feste zum Vorwand zu nehmen, um die niedrigsten Triebe des Menschenherzens, Mißtrauen, Neid und Haß zu entfachen! Unmöglich ist es eine würdige Vorbereitung zu einem religiösen Feste, unter Berufung auf die Religion Flugblätter zu verbreiten, deren letzter Inhalt doch weiter nichts ist als: „Kauft nicht bei anderen, sondern kauft bei mir!" Kein Schacher und kein Wucher ist so nichtswürdig, als das Schachern und Wuchertreiben mit der Religion. Laffe man sich also nicht betören durch gewerbsmäßige Hetzer, die aus der Religion ebenso ein Geschäft machen, wie aus dem Patriotismus; frage man bei Einkäufen nicht nach Abstammung und Glaubensbekenntnis des Verkäufers, sondern nur danach, wo man ehrliche Ware zu angemessenen Preisen bekommt. Was schlecht und teuer ist, wird darum nicht besser und billiger, wenn es von einem Christen verkauft, und was reelll und