Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 3 (März 1903)
- Article
- Berlin
- Date
- 1903-03-01
- Page
- 232 (sequence 8)
- Language
- German
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232 Zm deutschen Reich. mit diesem Kulturstaat par exeeHeuee in dieser wichtigen Sache m gleichem Schritt und Tritt gehe. Leider habe das Gemeindekollegium kein Mittels um die Verfügung des Kultusministers v. Landmann aus der Welt zu schaffen oder ihrer Ausführung ein Paroli zu biegen. Aber er habe doch die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen wollen, um hier vor der Oeffentlichkeit Einspruch zu erheben gegen die Untergrabung des Prinzips der Simultanschule und die damit beabsichtigte Schaffung einer Klasse von Bürgern minderen Rechtes. Er habe auch die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen wollen, um zu betonen, daß man in Nürnberg festhalten wolle an dem alten, in München vielleicht schon als etwas veraltet angesehenen Spruche: Justitia fnndamentum regnorum: daß die Gerechtigkeit die Grundfeste des Staates sei und bleiben müsse. Ein Widerspruch gegen diese Ausführungen, welche von Bravorufen begleitet waren, erhob sich nicht." Im 73. Lebensjahre ist am 8. d. M. Herr Justizrat Siegmund Meyer nach langem Leiden verschieden. Von 1881—1900 gehörte er zu den tätigsten Mitgliedern der Berliner Stadtverordnetenversammlung, und lange Jahre hindurch war er Vorsitzender der „Fraktion der Linken". Mehr als 25 Jahre stand der Verstorbene an der Spitze der jüdischen Gemeinde. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde Berlin rühmt ihm nach: „Er hat ein volles Menschenalter mit nie ermattendem Eifer die reichen Gaben seines Geistes in den Dienst unserer Verwaltung gestellt, mit klarem Blick, mit kräftiger Hand, aber auch mit mildem Herzen das Wohl der Gemeinde gefördert, deren Frieden zu sichern, seine heiligste Aufgabe war. Getragen von glühender Begeisterung für die Religion und Humanität, stand er überall in erster Reihe, wo es galt, für seine Glaubensgenoffen einzutreten und in Wort und Schrift die Ehre der Gemeinde wie des Judentums zu verteidigen.,, Bei der in der Neuen Synagoge abgehaltenen Gedenkfeier erschienen als Vertreter der städtischen Behörden Oberbürgermeister Kirschner, die Stadträte Namslau, Kalisch, Gerstenberg, Straßmann, Marggraff und Friede!, die beiden Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung vr. Langerhans und Michelet. Zahlreich vertreten waren auch die Anwaltkreise mit dem greisen. Geh. Rat Lesse an der Spitze. Man sah ferner die. Geh. Räte Herz, Arnold und viele andere Vertreter der Handelswelt. Nach dem Gesänge der Motette „Der Mensch, wie Gras sind seine Tage" hielt Rabbiner Dr. Maybaurn die Gedächtnisrede. Für den jüdischen Gemeindevorstand sprachen dann Vorsteher Julius Jacoby, für den Schulvorstand Professor vr. Geiger, für die Fraktion der Linken Justizrat Caffel. Das Schlußgeb'et hielt