Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 3 (März 1903)
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- Date
- 1903-03-01
- Page
- 214 (sequence 3)
- Language
- German
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214 Fm deutschen Reich. und sie sie stets eingeschlossen im Hause hielten, sie dürfe nie allein ausgehen. Dies ist das Letzte, was wir von ihr hörten, und doch eine Freude für uns. Der Herr wird seine Schäflein weiter halten und tragen. Oberin P. Die nachstehenden Zeilen sind von einem Kinde derselben Anstalt: Lieber Herr Pastor! Für Ihren Gruß sage ich Ihnen meinen herzlichsten Dank. Ich habe mich sehr gefreut, als mir unsere liebe Frau Oberin erzählte, daß Sie das Volk Israel so lieb haben. Auch ich bin ein jüdisches Kind und habe in diesem Hause durch unsere liebe Hausmutter den Messias gefunden. Der Herr hat mich an Leib und Seele geheilt, Ihm sei ewig Dank dafür. Täglich bitte ich den allmächtigen und allliebenden Erlöser, er möchte das von mir geliebte, das so verblendete und von der Welt verachtete Volk Israel bekehren und zu der verheißenen Herrlichkeit bringen. Ich habe auch die Gewißheit, daß der Herr unser Gebet erhört, und ich freue mich auf jene Zeit, in der wir mit all den lieben Gotteskindern dort oben zu den Füßen Jesu sitzen und mit Abraham, Isaak und Jakob jubeln werden. Der Herr unser Heiland möge Sie behüten und bewahren und Sie vielen zum Segen setzen. Ihre . . B. Jeder Kommentar würde den Eindruck dieser beiden Mitteilungen abschwächen. Das traurigste bei diesem Seelenfang ist, daß er zumeist von jüdischen Ueberläufern betrieben wird. Eine alte Sage erzählt, daß die Bäume im Walde wimmerten, als die Menschen den Gebrauch des Eisens erlernten, weil die Bäume ahnten, daß die Aexte sie fällen würden. Da rief ihnen eine Stimme von oben zu: „Ihr braucht von dem Eisen nichts zu fürchten, so lange Ihr nicht selbst die Stiele zu den Aexten liefert!" Oft genug haben morsche Aeste des Stammes Israel seinem Gegner Handhaben für die Waffen zu seiner Bekämpfung geboten; wäre das Holz der Aeste, aus dem sie geschnitzt waren, nicht vielfach morsch und wurmstichig gewesen, so stünde der Stamm längst nicht mehr. Noch aber steht er, und alljährlich kommt ein Neujahrsfest auch für diesen Baum, das ihm neue Jugendkraft verleiht, so daß er im Lenze frisch ergrünt, und dann lagert der trotz aller Missionskünste treugebliebene Jude unter seinem Schatten und spricht mit Uhland: „Gesegnet sei er alle Zeit von der Wurzel bis zum Gipfel!" A. L.