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Im deutschen Reich · 1903-03-01 · Heft 3 (März 1903) · p. 205

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
9 (1903)
Issue
Heft 3 (März 1903)
Article
Rückblick auf die zehnjährige Tätigkeit des "Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens"
Date
1903-03-01
Page
205 (sequence 9)
Language
German
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Rückblick auf die zehnjähmge^Tätigkeit rc. 205 hervorragende, verdienstvolle Männer eingedämmt und unschädlich gemacht werden könne, sondern, daß der Massenbewegung eine Gegenbewegung der gesamten Judenheit und eine AbwehrLätigkeiL im Lichte der Oesfentlichkeit entgegengestellt werden müsse. In der jüdischen Studenten-Verbindung „Viadrina" zu Breslau war der Gedanke zuerst ausgesprochen worden, und in Dr. Löwenfelds Schrift „Schutzjude oder Staatsbürger?" hatte er einen so zündenden Ausdruck gefunden, daß er zur Tat hinriß. Man konnte nicht mit jedem Satze dieser Schrift einverstanden sein, aber mit ihren Thesen konnte man sich einverstanden erklären. Am 5. Februar 1893 fanden sich im Hause des Kommerzienrats Julius Jsaac ungefähr 200 Juden zusammen, und im Anschluß an diese Versammlung ist der „Central- Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" entstanden. Der Verwirklichung des Gedankens, daß es Recht und Pflicht der deutschen Juden sei, ihre Stellung im Vaterlande durch eigene Kraft zu wahren, verdankt der „Central-Verein" sein Leben und seine Entfaltung. Nach monatelangen Organisations-Arbeiten trat er zuerst im Herbst 1893 an die Oeffentlichkeit. Wenn ich heute der ersten vorbereitenden Sitzungen mich erinnere, da der Vereins-Gedanke sich noch nicht bei allen zur Klarheit durchgerungen hatte, wenn ich noch die Mahnrufe derer höre, die da immer nur warnten, man solle nicht Staub aufwirbeln, die Gegner nicht reizen, man solle in Geduld die Weiterentwickelung der Dinge abwarten, man könne so leicht größeren Schaden anrichten — mich ergreift noch heute wie damals das Gefühl des Zornes. Mit der siegenden Kraft der Wahrheit aber hat der Gedanke sich Bahn gebrochen, die Zweifelnden und Zaghaften bekehrt, die Uebelwollenden zum Schweigen gebracht, der Gedanke, daß im Staatsleben das Recht nur dem wird, der für das Recht kämpft. Me die Freiheit, so ist auch das Recht eine Gabe, die uns nicht als Angebinde in den Schoß fällt; beides muß erkämpft werden. Und wir können ehrlich von uns sagen: Wir haben gekämpft (Beifall), gekämpft gegen den Unverstand und die Gleichgiltigkeit unserer sogenannten Freunde, gegen den Haß und den Spott der Gegner, gegen die Teilnahmslosigkeit der Behörden. Wir können aber auch mit Genugthuug sagen, daß uns in Ansehung des Rechtsschutzes unsere Erwartung nicht getäuscht hat: Recht ist Recht geblieben (Beifall). Die Zeit ist dahin, da wir uns über unsere Freunde zu ärgern hatten: wir haben uns Gottlob nur noch über unsere Gegner zu ärgern (Heiterkeit). Hohn und Spott haben wir allerdings reichlich in den ersten Jahren auch von'unseren sogenannten Freunden erfahren, als wir die ersten Mißerfolge erlebten. Was ist uns da nicht selbst in der wohlgesinnten Presse gesagt

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