Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1903)
- Article
- Berlin
- Date
- 1903-02-01
- Page
- 171 (sequence 4)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 171 Der als Zeuge vernommene Verleger Wilhelm Bruhu bestätigt dem Angeklagten I)r. Böckler, daß dieser den Mitangeklagten Koch überhaupt nicht gekannt und sich seinerzeit darüber beschwert habe, daß der Artikel ohne sein Wissen in die Zeitung gekommen sei. Der Gerichtshof beschloß, die Sache gegen den Angeklagten Böckler zu vertagen, um zum nächsten Termine den Chefredakteur Dr. Bachler von der „Staatsbürger-Ztg." und den Berichterstatter Dahsel zu laden. Im übrigen wurde in dem beanstandeten Artikel eine Beleidigung der jüdischen Religionsgesellschaft gesunden und der Angeklagte Koch zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten verurteilt. Wie das „Jüdische Volksblatt" mitteilt, stand am 4. d. Mts. vor der 3. Strafkammer des Breslauer Landgerichts die Berufung des Herausgebers des „Volksblattes" gegen das Urteil des Königlichen Schöffengerichts in der Privatklage des Lehrers Weichet von Könitz zur Verhandlung. Als Vertreter des nicht anwesenden Privatklägers fungierte Rechtsanwalt Warmbrunn, als Vertreter des Angeklagten in dieser Instanz Rechtsanwalt Armer. Der Gerichtshof beschloß die Verhandlung zu vertagen, zu einem neuen Termine die Richter erster Instanz vorzuladen und darüber zu vernehmen, ob der Angeklagte im Termine eingeräumt habe, den Lehrer W. gemeint zu haben und ob er behauptet habe, derselbe sei verhaftet gewesen. Ferner sollen die Akten des Königlichen Amtsgerichts I Berlin in Sachen des Prozesses Weiche! ca. „Berliner Morgenpost" eingefordert werden. Der engere Vorstand des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" hat an Stelle des verstorbenen Abgeordneten Rickert den Reichs- und Landtagsabgeordneten vr. Barth zum ersten Vorsitzenden gewählt. «K Breslau, 2. Febr. Die „Breslauer Ztg." berichtet: „Der Freiherr Wolfgang v. Puttkamer, Majoratsherr aus Schickerwitz (!) bei Juliusburg, betrat am 6. November v. I. mit seiner Gattin das Obersky'sche Korsetgeschäft, Ring 51, weil letztere dort esn Korset bestellt, dasselbe aber, weil es angeblich nicht paßte, beanstandet hatte. Auf die mehrmalige Aufforderung, das nach ihren Wünschen geänderte Korsei nunmehr abzunehmen, erschien sie schließlich in Begleitung ihres Gatten im Geschäfte. Der Freiherr benahm sich von Anfang an sehrgeringschätzig, nahm den Hut nicht vom Kopfe, schimpfte über „die jüdische Wirtschaft" in dem Geschäfte und betrat, seiner Gattin folgend, das Anprobezimmer, obwohl Herren dazu sonst keinen Zutritt haben. Die eine der beiden Geschäftsinhaberinnen, welche das-Ehe-