Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1903)
- Article
- Die staatsbürgerliche Gleichberechtigung und die jüdischen Aerzte
- Date
- 1903-02-01
- Page
- 156 (sequence 7)
- Language
- German
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\$m Venlschen Reich. verdenken. Wie weit sie in dieser Beziehung gehen darf, darüber sind, wie gesagt, Erörterungen gepflogen worden; ich halte es aber nicht für zweckmäßig, über das Resultat derselben hier ausführlich Auskunft zu geben." Ein Kommentar würde die Wirkung dieser, mit Rücksicht auf die anderslautende Tagesordnung und das Staatsgeheimnis nur angedeuteten Ausführungen nur abschwächen. Für uns Juden steht die Frage nach der Gleichberechtigung leider ständig auf der Tagesordnung. Bei der geschilderten Sachlage müssen wir uns freilich mit der Auslegung der Verfassung, wie sie dem sächsischen Ministerium richtig erschien, vor der Hand bescheiden. Sie zeigt klar, daß die volle staatsbürgerliche Gleichstellung der Juden mit den andersgläubigen Staatsbürgern in Sachsen wenigstens — und in anderen Bundesstaaten ist es leider nicht viel anders — nach wie vor ein Phantom ist, und daß der Centralverem noch manches SLiftungssest wird feiern müssen, ehe er die Arbeit ruhen lassen kann. Was uns aber Zuversichtlich an unseren Aufgaben weiter schaffen und nimmerwehr ermüden läßt, das ist, neben dem Bewußtsein, für eine gute und gerechte Sache zu kämpfen, die oft gemachte Erfahrung, daß wir uns unser Recht nur schrittweise erkämpfen können. Wer ausharrt, wird gekrönt! Dr. med. Jos. Lewy. aÄNs feinem reichen Citatenschatze hat der Reichskanzler Graf p Bülow schon manches gute Wort hervorgeholt, welches für die politische Lage sich völlig zutreffend erwies; mitunter aber auch hat er aus eigenem Empfinden heraus zur rechten Zeit ein Wort gesagt, das deutlich bewies, daß er bei aller Geschmeidigkeit in der Form auch fest in der Sache zu sein versteht, sich nicht von sogenannten Volksströmungen treiben läßt, und sich zum Objekt für antisemitische Terrorisierungs-Versuche für zu gut hält. Davon mußte der alte jndenfeindliche „Rufer im Streit", Liebermann von Sonnenberg sich überzeugen, als er im Reichstage wieder eine jener antisemitischen Weltpolitik-Redm hielt, mit welchen er selbstgefällig die Spalten der „Deutsch-Sozialen Blatter" und der „Antisemitischen Korrespondenz" zu füllen und feine Anhänger zu überzeugen Pflegt, daß er eigentlich zu einem vorzüglichen Minister der auswärtigen An-