Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1903)
- Article
- Die kaufmännische Ehre bei den Juden
- Date
- 1903-02-01
- Page
- 136 (sequence 8)
- Language
- German
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136 Im Deutschen Reich. kurrenz den Eifer des benachbarten Hamburg gestachelt und so die Blüte des größten festländischen Emporiums wesentlich gefördert hat. Juden haben den Tabaksbau in vielen Ländern emgeführt, so in Oesterreich Jsak Edler von Hönigsberg; in Brandenburg geschah es etwa gleichzeitig mit der Aufnahme der jüdischen Exulanten aus Wien durch den großen Kurfürsten. Das königl. preußische Staatsarchiv enthält das den Juden David Nathan und Hartwig Daniel erteilte Privilegium, den Tabaksbau in die brandenburgischen Lande einzuführen. Aehnliches gilt von Württemberg und Mecklenburg. Za, der portugiesische Jude Luis de Torres, ein Gefährte des Christoph Columbus, hat überhaupt die moderne Tabaksindustrie erfunden. Juden haben den Kaffee in England eingeführt, er war im 18. Jahrhundert in Egypten unter dem Namen „Judentrank" („maschke Jisrael" sagen rabbinische Responsa) bekannt. Portugiesische Juden pflanzten 1548 zuerst das Zuckerrohr in Brasilien, und Wiener Juden haben den Candiszucker nach dem Westen gebracht. Tuchfabrikanten waren die Juden in Spanien, England und bis 1316, wo auf Andrängen der Zünfte diese Industrie ihnen verboten wurde, in Oesterreich. Ein Prager Jude, Joachim Gans, macht die Engländer unter Elisabeth mit der Kupserindustrie bekannt. Wiener Juden haben in Ungarn und an der Militärgrenze mit glänzendem Erfolge mit der Seidenkultur begonnen. Ein Leipziger Meßbericht von 1841 rühmt die österreichischen Lieferanten, daß sie „mehr als unsere Bankiers augenscheinlich eine wahre Stütze der sächsischen Tuch- und Wollzeugfabrikanten sind." Das war im Jahre 1841!Z Juden haben gewisse Zweige des Kunsthandwerkes geradezu monopolisiert. Sie waren die geschicktesten Silberarbeiter in Lucea und anderen Städten Italiens, in Amsterdam die gesuchtesten Optiker und Diamantschleifer. Holland verdankte ihnen Jahrhunderte lang in ganz Europa das Monopol für die besten optischen Instrumente, ein Gewerbe, welches die vertriebenen Juden aus Spanien und Portugal in ihre neue Heimat mitgebracht haben. In Hamburg waren sie die besten und billigsten Steinmetze und Graveure?) *) Vergl. Wertheimer, Geschichte der Juden in Oesterreich; Lecky, Geschichte der Aufklärung II, 224 ff.; Grätz. Jubelschrift S. 225; Berliner, Aus dem Leben der deutschen Juden im Mttelalter; PrausLetions of the Jew. Hist. Soc. I, 141; Publ. Jew. Äiner. Hiat. Soc. IV, 103: Jew. Quart. Review IX 2) Griesheim, Die Stadt Hamburg I, 138 und Grunwald M., Portugiesengräber auf deutschem Boden.