Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- War Luther Antisemit? [Rezension]
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 119 (sequence 3)
- Language
- German
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Bücherschau. 119 Karpokratianer ausgeübt worden sind; ähnliche Gemeinheiten finden sich noch im 18. und 19. Jahrhundert bei russischen Sekten. Wer aber will es wagen, so fragt Strack mit Recht, für solche Scheußlichkeiten die christliche Religion verantwortlich zu machen? Wurden nicht noch 1891 die Fremden auf Madagaskar, namentlich die Franzosen, verdächtigt, daß sie Menschenherzen verzehrten und zu diesem Zwecke Kinder kauften und töteten? Und werden nicht seit Jahren Flugblätter in China verbreitet, in denen es heißt: Nieder mit den Fremden! Tötet die Missionare! Sie stehlen oder kaufen unsere Kinder und schlachten sie, um aus ihren Augen, Herzen und anderen Körperteilen Medizin zu bereiten? Ja sogar die Toten sollen die Christen dort zu solchen Zwecken ausgraben. Diese Anschuldigungen fanatischer Heiden gegen die Christen haben nicht nur so ziemlich denselben Wert, sondern auch dieselben Motive wie die ähnlichen Anklagen der Christen gegen die Juden, nämlich — den Fremdenhaß." Wenn der Verfasser der Schrift „War Luther Antisemit?" von dieser vorurteilslosen Abschweifung wieder zum Luther-Thema zurückkehrt, Luthers scharfe Beurteilung des jüdischen Wesens vom religiöschristlichen Standpunkte aus zu entschuldigen sucht und eine endgiltige Lösung der Judenfrage durch die Bekehrung ganz Israels erhofft, so ist dies ihm, der auf dem Standpunkt der „Mission für Israel" steht, nicht zu verübeln. Dieser mildgesinnten „Mission für Israel" gegenüber sind wir geschützt durch unsern Glauben an die jüdische Mission, welche uns die endgiltige Lösung der Judensrage an dem Tage erhoffen läßt, an welchem die Erkenntnis der Einheit Gottes alle Menschen einigen und die Menschheit diejenigen segnen wird, welche zuerst den Namen des „Einzigen" heiligten und in jedem Menschen sein Ebenbild ehrten. A. L. Bei der Redaktion ist eingegangen: Br. med. Leopold Feilcherrfeld. Vorschläge zur Organisation der Armenpflege in Krankheitsfällen. Vortrag, gehalten am 13. November 1902, in der Delegierten-Dersammlung des Verbandes für jüdische Wohlthätigkeitspflege. Israelitisches Asyl für Kranke und Altersschwache zu Cöln. Bericht für das Jahr 1901. Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zu Cöln. Bericht für das Jahr 1901. (Druck von Carl Busch.L Co., G. w. b. H., Cöln.)