Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- Berlin
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 83 (sequence 3)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 83 verbreiten würde. Ueber dieses vielleicht erlaubte Maß nicht ganz harmloser Scherze und gest-loser Witze geht es aber hinaus, wenn Herr Daubenspeck an anderen Stellen des Buches das angeblich „nicht allzusehr geschärfte Sprachgefühl" „unserer semitischen Mitbürger" anzurempeln und ihnen im Gegensatz zu den Söhnen „arischer Mütter" zu unterstellen sich erdreistet, daß sie „in der Presse eifrig bemüht sind, in ihrer Wene die deutsche Sprache weiter zu bilden." Das erfordert denn doch einen energischen Widerspruch. Es kann dem Herrn Reichsgerichtsrat a. D. nicht verübelt werden, wenn ihm, wie sich aus den von ihm beliebten Ausdrücken „arischer" und „semitischer" Abstammung ergiebt, die Forschungsergebnisse moderner Völkerkunde unbekannt geblüben sind, und wenn er außerdem auch grobe Unkenntnis der Werke deutscher Schriftsteller jüdischen Glaubens vsrrät; es würde auch zu weit führen, dem Herrn ein Privatissimum darüber zu halten, was Juden in der Wissenschaft sowie als Politiker, Schriftsteller, Dichter und Journalist n für die Entwickelung der deutschen Sprache geleistet haben. Herr Daubenspeck mag es in irgend einem Leitfaden Nachlesen. Nur zweierlei sei hier hervorgehoben. Vor allem muß der gerechten Entrüstung über dieses Verhalten eines hochstehenden Juristen Ausdruck gegeben werden, der in dieser Weise zersetzenden antisemitischen Geist im Gewände scheinbarer Wissenschaftlichkeit in die Kreise derjenigen Männer trägt, die einstens berufen sind, als unabhängige, objektive Richter über den Parteien zu stehen. Dann aber, zum Zeichen, daß der traurigen Tatsache auch ein Moment der Komik nicht fehlt, noch einen weiteren Hinweis. Herr Daubenspeck schöpft den größten Teil seiner Weisheit auf dem Gebiete deutscher Sprachkunde aus den Schriften von Sanders; er citiert ihn fortwährend und nennt ihn auch ausdrücklich eine „Autorität". Sanders war bekanntlich ein deutscher Sprachforscher jüdischen Glaubens, oder, wie der Herr Reichsgerichtsrat sich geschmackvoll ausdrückt, auch ein „semitischer Mitbürger". Ob Herr Daubenspeck das wohl gewußt hat? Herr Daubenspeck citiert überhaupt viel. Außer Juristen und seiner Hauptquelle, dem I rden Sanders, müssen noch der antisemitische Wustmann, der alte Romanist Becker und einige mir näher nicht bekannte, aber mir als Antisemiten geschilderte Autoren mit Belegstellen verhalten. Erstaunt war ich, unter den Citaten gelegentlich auch Herders „Briefe zur Förderung der Humannär" zu finden; Herr Daubenspeck scheint sie also gelesen zu haben. Vielleicht lieft er sienoch einmal."