Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 9 (1903)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1903)
- Article
- Verblendung
- Date
- 1903-01-01
- Page
- 63 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316701-2316703-2330761--10521-2330903- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Verblendung. 63 Merölendrmg. Ein Wort über JudenMission. Von Prediger Dr. Ri eg er-Hamburg. jfgfom festen Wortschatz der antisemitischen Tagesliteratur gehören die Ausdrücke „jüdische Frechheit" und „jüdische Anmaßung". Es ist derartigen geschmackvollen Redensarten gegenüber vielleicht einmal gut, aus einen christlichen Sport hinzuweisen, zu dessen Charakteristik ich das höflichere Wort „Verblendung" wäble. Veranlassung, diese einmal in das rechte Licht zu stellen, bietet mir eine an mich mit voller Adresse unter Kreuzband zugesandte Broschüre des „Zionsfreundes" in Hamburg: „Zeugen aus Israel. Herausgegeben von Arnold Frank, Hamburg." Arnold Frank ist der hiesige Prediger der Zudenmission, und das Schriftchen wird mir, dem jüdischen Prediger, übersandt — um mich zur Taufe zu veranlassen. Es gehört ein gutes Maß von — Verblendung dazu, einen jüdischen Seelsorger mit derartiger Literatur zu versehen. Ich möchte das Zetergeschrei über die „jüdische Frechheit" hören, wenn es einem jüdischen Gelehrten einfallen sollte, christliche Geistliche mit derartiger Traktätchenliteratur zu versorgen, wenn das aber von christlicher Seite geschieht — ja, Bauer, das ist ganz etwas anderes. Es ist beschämend genug — für die christliche Zudenmission, daß sie mit derartigen Elaboraten wirken will. Es ist aber gelinde gesagt: eine grenzenlose — Verblendung, unsere Rabbiner, Prediger und Kultusbeamten mit diesen Machwerken zu belästigen. Ich habe bereits eine kleine Bibliothek derartiger Schriften gratis und franko zugeschickt erhalten, die von meinem Standpunkte aus grobe Blasphemien, schändliche Verlästerungen aller der Wahrheiten enthalten, welche meines Gewissens Allerheiligstes erfüllen. Zch bin sicherlich nicht der einzige, der sich durch diesen christlicher Missionare belästigt und beleidigt fühlt. Ich erachte es daher für notwendig, daß dagegen Einspruch erhoben wird. Ich tue das heute, indem ich das Schriftchen „Zeugen aus Israel" ein wenig näher beleuchte. Das Schriftchen beginnt mit einer. Aeußerung Professor Philippson's: „Man ist häufig geneigt, sich über den um sich greifenden Abfall zu trösten, indem man sagt, es seien nur faule,