Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Article
- G. L., Konstanz
- Date
- 1902-12-01
- Page
- 721 (sequence 3)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 721 naktem Unglauben" verbreitet zu haben, um Abonnenten zu ködern, ferner gesagt wurde, es sei „äußerst abgeschmackt und anmaßend, wenn ein Jude sich als Reformator der christlichen Glaubens- und Sittenlehre einen Namen verschaffen wolle." Aus Grund dieser und ähnlicher anderer Aeußerungen erhob der Redakteur der „Jagstztg." gegen den verantwortlichen Redakteur des „Jps", B. Ruber und den Pfarrer Waldraff Beleidigungsklage. Das Schöffengericht verurthellte den Pfarrer Waldraff zu 100 Mk., den Redakteur des „Jpf", Ruber, zu 75 Mk. Geldstrafe. K. S., Cölu. Daß wir der Erziehung der israelitischen Jugend zum Handwerk und' zur Bodenkultur eine große Bedeutung beimeffen, haben wir bereits in Wort und Schrift hinreichend bewiesen. Der Bericht des »Vereins zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten unter den Juden" (Sitz Düsseldorf) über das Jahr 1902 hat uns sehr interessiert. Wir entnehmen demselben Nachstehendes: „Bei Beginn des Berichtsjahres hatte der Verein 23 Lehrlinge bezw. Fachschüler unter seiner Obhut (darunter Aachen 5). Neu ausgenommen bezw. untergebracht wurden 14. Am Ende des Berichtsjahres waren noch 29 Lehrlinge bezw. Fachschüler vorhanden, wovon im Lehrlingsheim zu Düffeldorf 20 und in Aachen 3 sich befanden und anderwärts 6 untergebracht waren. In Düsseldorf und Aachen hatten die Lehrlinge Gelegenheit, durch den Besuch der städt. Fortbildung^ bezw. Abendschulen sich im Zeichnen und anderen Fächern weiter auszubilden, im Schreiben, Lesen, Rechnen, Buchführen rc. erhielten sic im Lehrlingsheim in Düsseldorf außerdem noch in wöchentlich 2 Stunden Unterricht. Aus dem Rechnungsabschluß ist ersichtlich, daß der Verein über einen Kassenbestand von 2326 M. m Düsseldorf und 1084 M. in Aachen verfügt." S. T. Stettin. Daß die Maffencinwanderung russischer Handwerker in London eine Lohndrückerei erzeugt hat, welche die englischen Arbeiter für antisemitische Einflüsterungen empfänglich macht, ist zweifellos. Die Thätigkeit der königlichen Kommision, welche die Frage der Einwanderung von russischen Juden untersuchen soll, ist aber offenbar eine unparteiische. Der Oberpfarrer der Gemeinde Spitalfields, Davis, der kürzlich von ihr als Zeuge vernommen wurde, machte folgende Aussagen: Er lebe schon seit 13 Jahren im Ostende von London und in seinem Gemeindebezirke, der 25000 Einwohner zähle, wohnten 15000 Juden. Es bestehe im englischen Volke von alters her zwar Achtung vor der jüdischen Religion, aber gegen diese ausländischen Juden herrsche doch auf Seiten der englischen Bevölkerung ein starkes Empfinden, weil letztere sehe, wie sie von den Juden aus dieser