Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1902-12-01
- Page
- 709 (sequence 6)
- Language
- German
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Bereinsnachrichtcn- 709 auf die Verhältniffe der Gegenwart und den Charakter des Central- Vereins könne es sich dabei nur um eine ernste Feier handeln; denn wenn auch der Verein sich rühmen dürfe, manches Unheil verhüter Zu haben, sei er doch noch weit von dem hohen Ziele entfernt, nach der Erreichung der vollständigen und unantastbaren Gleichberechtigung der deutschen Juden seine Thätigkeit einstellen zu können. Kein Freudenfest im gewöhnlichen Sinne solle am 2. Februar begangen werden; aber die Feier werde eine mit Frohsinn zu erfaffende Gelegenheit bieten, sich immer fester zusammenzuscharen und zur Vergrößerung der bewährten Vereinigung beizutragen. Diesem Zwecke solle auch eine am Tage vor der Feier, also am 1. Februar 1908, in kleinerein Kreise stattfindende Besprechung des Vorstands mit den sich zu dem -Feste in Berlin einfindenden auswärtigen Vertrauensmännern dienen. Ein Theil von jener Kraft, die stets das Böse will und bisweilen doch das Gute schafft, habe der Antisemitismus wesentlich dazu beigetragen, den innigeren Zusammenschluß der deutschen Juden zu fördern. Aber auch eine weitere Wirkung dieser sonst so unheilvollen Bewegung sei freudig zu begrüßen, die reinliche Scheidung, welche innerhalb der Judenschaft herbeigeführt werde. Wir alle hätten uns in solcher Zeit in unserer Zugehörigkeit zum Judenthum gefestigt,, und die schwachen Naturen, die der Antisemitismus zum Glaubenswechsel treibe, könnten wir willig preisgeben: Die große Gemeinde charaktervoller Juden scheide sich dann nur zu ihrem und des deutschen Vaterlandes Nutzen von charakterlosen Ueberläufcrn. Redner streifte sodann die jüngsten *pücklcr-Prozesse und erklärte dabei, daß für den bedauernswerthen Mann, der von geldbedürftigen Drahtziehern mißbrauchen lasse, jedenfalls das Gefängnis nicht die Anstalt sei, in die er gehöre. Den Verein interessiere Gras Pückler nur insoweit, als sich etwa irgend eine Förderung seiner Veranstaltungen von behördlicher Seite feststellen laste. Das sei aber nirgend geschehen, und selbst an dem Gerüchte, daß die Kapelle der Saganer Artillerie bei Pücklers Reiterfesten mitgewirkt habe, sei kein wahres Wort. Nur ein einziger längst verabschiedeter alter Saganer habe dabei dem Grafen sein Hallali geblasen. Im Verlaufe der übrigen Mittheilungen wurde die Betheiligung eines hessischen Amtsrichters an einem häßlichen antisemitischen Eisenbahnunfug und die gerichtliche Bestrafung dieses Richters und seiner Genosten, der Versuch des Herausgebers Bruhn, im Pücklerstile einem Juden „bildlich" auf die Füße zu treten, und der weitere Versuch der Antisemiten berührt, die in dem nahezu „judenreinen" deutschen Reichstage vorgekommenen stürmischen Scenen den Juden aufs Kerbholz zu schreiben. Außer in der sozial-