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Im deutschen Reich · 1902-12-01 · Heft 12 (Dezember 1902) · p. 707

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 12 (Dezember 1902)
Article
[Ohne Titel]
Date
1902-12-01
Page
707 (sequence 4)
Language
German
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Vereinsnachrichten. 707 für die deutschen Juden als für die deutsche GesammLheit. Gegen solche Leute mit allen gesetzlichen Mitteln zu kämpfen, sei nöthig und ehrenvoll. Wir würden kein Bedenken tragen, einen Uhrendieb bei der Behörde anzuzeigen, und sollten Leute laufen lassen, die uns das Werthvollste zu rauben suchen, was wir besitzen, unsere Ehre? Wenn man uns, die wir uns zusammenschließen, nur um der Gerechtigkeit und Wahrheit zu dienen, als einen „Denuncianten-Berein" lästert, verkennt man die ganze Sachlage. Unsere Sache ist eine gute und gerechte; sie zu fördern und den Central-Vercin durch Werbung von Mitgliedern immer größer zu machen, ist deshalb Pflicht jedes deutschen Juden. Der Redner gab am Schlüsse seiner Ausführungen der Hoffnung Ausdruck, daß sich vielleicht selbst die „Staatsbürger-Zeitung" noch bessern werde, da ihr Leitartikler, vielleicht durch die Bußtagsstimmung veranlaßt, im auffallendsten Widerspruch mit seiner sonstigen Denkungsweise, auffordert, in sich zu gehen und sich die Frage vorzulegen „Hast Du an Deinen Mitmenschen stets als Christ gehandelt, oder: hast Du nur rücksichtslos Deine eigenen Interessen verfolgt, unbekümmert darum, ob Du dadurch andere vielleicht ins Unglück bringst? Eine gewiffenhafte Beantwortung dieser Fragen wird uns zum Bewußtsein unserer Schwächen und Fehler führen." Das laffe, wenn diese Empfindung Wahrheit wäre, immerhin Besserung erhoffen. — An diese wiederholt von zustmrmenden Kundgebungen unterbrochene Rede schloß sich nach kurzer Pause eine lebhafte Debatte, an welcher sich die Herren S. Sal Niger, vr. Köhne, Schwarz und vr. Israel betheiligten, und in deren Verlauf manche nützliche Anregung gegeben wurde. Hierauf wurde um II Uhr die Versammlung in üblicher Weise geschloffen. Die am Dienstag, den 9. d. Mts. im Saale des „Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde", Berlin W., Potsdamerstr. 9 abgehaltene allgemeine Versammlung des Central-Vereins leitete der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt vr. M. Horwitz mit einer Ansprache ein, in welcher er des Hinscheidens des Abgeordneten Heinrich Rickcrt gedachte. Redner betonte insbesondere, daß Rickert in erster Linie Politiker gewesen, daß an ihm aber das alte Wort Bismarcks: „Die Politik verdirbt den Charakter" zu schänden geworden sei. Freund und Feind seien darin einig, daß — wie immer man Rickert als Politiker gegenüberstehen mag — die Lauterkeit seines Charakters auch seinen Gegnern die höchste Anerkennung abzwinge. Er fei stets ein Freund der Schwachen und Bedrückten und von glühender Vaterlandsliebe ersiillt gewesen. Beide Empfindungen hätten es ihn als eine Schmach für Deutschland fühlen laffen, daß eine

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