Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1902)
- Article
- Erinnerungen an Heinrich Rickert
- Date
- 1902-12-01
- Page
- 673 (sequence 4)
- Language
- German
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Erinnerungen an Heinrich Rickert 673 aus den Beiträgen der Bauern 100 000 Mark im Jahre aus. Und dagegen sehen Sie unsere Einnahmen und Ausgaben an. Ich bin in die Bewegung allerdings mit anderen Vorstellungen eingetreten. Wir wenigen Leute steuern nicht bloß 20 bis 30 mal mehr an Mitteln für diese Bewegung bei, sondern wir müssen noch unsere Zeit, Kraft und Gesundheit der Sache widmen. So liegen die Dinge, und ich sehe keinen Ausweg." Trotzdem hat Rickert den Math nicht sinken lassen, und er hat für die gute Sache unermüdlich weiter gekämpft, bis der Tod seine Augen geschlossen. Uns aber, die wir schmerzerfüllt dem Dahingegangenen nachblicken, mögen seine Worte eine Mahnung sein, damit seitens unserer Glaubensgenosien wenigstens nach seinem Tode wieder gut gemacht werde, was bei seinem Leben versäumt worden ist, und damit die Saat, die er gesäet hat, nicht verkomme und vergehe. Ob sich unter unsern christlichen Mitbürgern ein Mann wieder finden wird, der mit derselben Aufopferung, mit derselben Wärme des Herzens und derselben Befähigung wie Rickert sich der Sache der Gerechtigkeit widmen wird, ~ wir wissen es nicht. Aber wenn wir das Vermächtnis Rickerts erfüllen wollen, so wissen wir, was wir zu thun haben. Als Rickert nach seiner letzten Rede, die er im Parlament über die Frauenfrage gehalten, den Reichstag verließ und in wehmütiger Vorahnung seines Todes äußerte, dies sei sein Schwanengesang gewesen, richtete eine Führerin der Frauenbewegung die Frage an ihn, was die deutschen Frauen machen sollten, wenn sie einen solchen Kämpfer verlören. Rickert antwortete daraus: „Dann muffen sie sich selber helfen!" Möge dieses Wort auch uns in Flarnmenschrist leuchten, nachdem wir ihn als Kämpfer verloren haben. Möge die aufopfernde Liebe, die er als Christ unserer gerechten Sache geweiht hat, uns beschämen, wenn wir im Kampfe ermatten. Dann wird es uns wie ein Ruf des Dahingeschiedenen in der Seele erklingen: „Hilf Dir selbst, dann wird Dir Gott helfen!"