Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 11 (November 1902)
- Article
- A. S., Berlin
- Date
- 1902-11-01
- Page
- 653 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316689-2316699-2330441--10276-2330548- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Briefkasten der Redaktion. 653 Licht der Welt nicht erblickt haben kann; ferner hat die „Nordd. Allg. Ztg." berichtet, daß die Künstlerin, die ihre jüdische Herkunft nie verleugnet hat und nur wegen dieser in der Antijemitenpresse verunglimpft wird, laut Geburtsschein im Jahre k840 in Havre in Frankreich geboren wurde. H. L., Berlin. Wir geben Ihnen zu bedenken, daß es lange bevor es in Deutschland-große Waarenhäuser gab, solche in London und Paris von Nichtjuden errichtet wurden, welche zu diesem Zweck in Frankreich durch hohe Geistliche, in England durch Mitglieder der Aristokratie mit großen Kapitalien unterstützt worden sein sollen. I. S., Berlin. Das Antisemitenblatt schreibt: „Wir rathen zur Vorsicht bei dem Gebrauch M Wortes Flaps. Der Jude läuft zweifellos sogleich zum Kadi, und wer steht heutzutage gut dafür, daß sich nicht ein Staatsanwalt findet, der öffentliches Interesse als vorliegend erachtet und öffentliche Anklage erhebt." — Sicher ist es im öffentlichen Interesse, daß gewiffen Leuten das Nichtvorhandensein der .SchimpffreiheiN klar gemacht wird. X. X., Charlottenburg, Lüdbeu, Sagan u. a. O. Da der betreffende Herr, auf unsere Veranlassung wegen der mißbräuchlichen Versendung geschäftlicher Offerten an seine Amtscoüegen zur Rede gestellt, uns sein tiefstes Bedauern über sein Verfahren ausgedrückt und vercherthat, ähnliche Verstöße sich nie wieder zu schulden kommen zu lassen, muß diese Angelegenheit als abgethan betrach'.et werden. Daß die deutschen Juden jetzt mehr als je strenge Selbstzucht üben müffen, weit gehässige Feinde den kleinsten Fehltritt eines Einzelnen auszubauschen und der Gesammtheit aller Juden zur Last zu legen pflegen, liegt auf der Hand. Oie Erfahrung hat aber gelehrt, daß die »Innere Mission", wie sie der Central - Verein seit Jahren möglichst gewissenhaft und möglichst geräuschlos consequent betreibt, segensreich wirkt und mit ganz seltenen Ausnahmen richtiges Verständnis findet. In den meisten Fällen erhalten wir auf unsere Mahnungen die Antwort, daß man sich bei der bezüglichen Entgleisung nichts Böses gedacht habe, dieselbe bedauere und künftig Aehnlichcs vermeiden werde. Oeffentlicher Tadel würde diese Wirkung nicht erzielen, sondern nur verbittern, außerdem aber Wasser auf die Mühle der Antisemiten liefern. O. K., Charlotteuburg. Wenn es irgend angängig ist, sollen unsere Glaubensgenoffen antisemitische Beschimpfunaen nicht ruhig hinnehmen, sondern gegen dieselben derartig remonstrieren, daß man