Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 11 (November 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-11-01
- Page
- 649 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316689-2316699--10271-2330544- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vereinsnachrichten. 649 jchulzen oder Hofjuden zu werden. Wenn der Autor der Impressionen Neigung hierzu empfindet und der äußeren Ehren bedarf, um sein Gleichgewicht zu finden, so wollen wir ihm in seinem Glücke nicht hinderlich sein. Offenbar hat er weder eine Ahnung von dem Wesen des Judenthums noch von dem Wesen der staatsbürgerlichen Emancipation. Was berechtigt ihn zu der Forderung, daß gerade die Juden besonders auf Herkunft, Gesinnung und Aeußeres geprüft werden müßten, um die staatsbürgerlichen Rechte zu erlangen? Dem Juden ist mit seinem Religionsgesetz, seinem Sittengesetz, der Geschichte und Kultur seines Stammes ein solches Erbtheil mitgegeben, daß derjenige, der sich mit dem Geiste des Judenthums erfüllt, hinter keinem andern Menschenkinde zurücksteht und nicht erst aus dem Kreise der Glaubensgenoffen besonders ausgesiebt zu werden braucht, um der Staatsämter würdig zu erscheinen. Das Gefühl der Ueberhebung liegt uns gewiß fern. Darf und soll jeder Sohn seine Eltern als die besten, jeder Bürger sein Vaterland als das beste halten, so dürfen und sollen wir auch unsere Religion, die Nährmutter aller monotheistischen Religionen, als die beste lieben, und vor allem nicht dulden, daß uns irgend jemand um unseres Judenthums wegen als minderwerthig hält. Wir wellen treu sein dem Vatcrlande, aber auch der Glaubensgenossenschaft, der auzugehören wir stolz sein kennen. Die Juden in der Treue und charakterfesten Gesinnung gestärkt zu haben, ist ein unvergängliches Verdienst gerade unseres Vereins. — Die wiederholt von jubelndem Beifall unterbrochenen Ausführungen de^ Redners gipfelten in der Mahnung an die Anwesenden, sich mit und im Eentral-Vereine als Apostel der Treue zum Vaterlandc und zum Glauben zu bewähren. Unter dem Eindrücke dieser Kundgebung wurde auf die Debatte verzichtet und die Versammlung geschloffen. Am 20. d. Mts. findet in dem Saale des .Motivhauses", Berlin W., Hardenbergstr. 6, Ecke Knesebeckstraße eine Versammlung der in Berlin VT. und NW., sowie der in Charlottenburg wohnenden Vereinsmitglieder statt. In dieser Versammlung spricht Herr Dr. M. Spanier auo Magdeburg über .die Vertheidigung unserer Gleichberechtigung.* — In dem Saale des .Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freundes Berlin \\\, soll am 9. December d. I. eine Central-Vereins-Versammlung abgehalten werden, für welche Herr Redakteur M. A. Klausner einen Vortrag über *bic Sprache und die Nationalität" zugesagt hat. Der Aufruf, welcher im Monat September mit dem neuen MiLglieder-Verzeichnis versandt worden ist, hat in erfreulicher