Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 11 (November 1902)
- Article
- Angerburg
- Date
- 1902-11-01
- Page
- 639 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen 639 bilden, zu der mindestens 10 Mitglieder gehören, vereitelt. (Auch in Kattowitz, Königshütte u. a. O. sind ähnliche Versuche des deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes erfreulicher Weise auf energischen Widerspruch gestoßen. Aus Ratioor empfingen wir eine dringende Anregung, die jüdischen Prinzipale auf die Schädlichkeit dieses Verbandes hinzuwcisen und ihnen zu rathen, sich ihre Angestellten auf die Zugehörigkeit zu dem Verbände genauer anzusehen. Die Redattion.) 02 Dortmund, 1. November. Der „Dortmunder Ztg." wird über das Jubiläum eines verdienten Vertrauensmannes des Central- Vereins aus Hörde berichtet: „Die hiesige israelitische Gemeinde hatte es sich nicht nehmen lassen, ihrem Seelsorger Herrn Lehrer und Kantor Stern, welcher seit 25 Jahren amtiert, am 23. Oktober einen Ehrenabend im Hotel Müller zu veranstalten. Die Gemeindeniitglieder waren zahlreich erschienen. Herr Bürgermeister Evers nahm an dem Festmahl als Vertreter der Stadt Hörde Theil." Hannover, 10. November. Das für die Ausnahme von Mädchen in der „Israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem" errichtete Gebäude soll demnächst die ersten Kinder aufnehmen. Schon bei der Errichtung der Anstalt bestand die Absicht, den Mädchen unserer ärmeren Glaubensgenossen die entsprechende Erziehung für das praktische Leben in ähnlicher Weise angedeihen zu lassen wie den Knaben. Inzwischen haben die Zeitverhältnisse die Erstrebung dieses Zieles immer wichtiger erscheinen lasten. Von allen Seiten hört man die Klage, daß so sehr wenige jüdische Mädchen Lust haben, alsKöchinnen, Wirtschafterinnen rc. Stellungen anzunchmen, daß sie anscheinend Berufe vorziehen, die zwar geringere körperliche Anstrengung erfordern, aber der Gesundheit nachtheiliger sind (Schneiderin, Putzmacheiin, Ladnerin). Bisher fehlte eine geeignete Anstalt, in der die jüdischen Mädchen sowohl den Unterricht einer guten Volksschule erhalten, wie auch im frühen Alter an die Besorgung aller häuslichen Arbeiten und an ländliche Arbeiten, wie Gemüsebau, Milchwirthschast, Geflügelzucht u. s. w. gewöhnt werden. Auf solche Weise erzogene Mädchen können später auch tüchtige Hausfrauen für Handwerker, Gärtner und Ackerbauer werden. Dem Mangel in letzterer Hinsicht ist der Mißerfolg eines Theils der bisherigen jüdischen Ansiedelungen zuzuschreiden. Wie die Ahlemer Knabenanstalt vorbildlich wirkt, so wird hoffentlich diese Mädchenanstalt auf ihrem Gebiete Pionierdienste verrichten. Es handelt sich auch bei den Mädchen um die Entwickelung von geistigen und körperlichen Anlagen, die unter der Ungunst der Verhältniffe zu verkümmern drohen; was an solchen Fähigkeiten zur Entfaltung und zur Bethätigung gebracht wird, dürfte nicht nur jenen Bedrängten zum Segen gereichen. Ahlem