Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 11 (November 1902)
- Article
- Angerburg
- Date
- 1902-11-01
- Page
- 638 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316689-2316699-2330431--10243-2330533- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
638 Im deutschen Reich. aus, daß er die Ziele, die der Redner beleuchtet habe, im Großen und Ganzen billige, sich aber gegen diejenigen Ziele des Vereins wenden müsse, die der Vortragende verschwiegen habe. Der „Deutschnationale Handluugsgehilfeu-Verband" sei gegründet worden, weil „der alte Hamburger" und „der Leipziger Verband" gewissen Leuten nicht schaif erschienen waren, auch das Ansinnen abgelehnt hätten, Juden von der Mitgliedschaft auszuschließen. Der Hauptzweck des neuen Vereines richte sich gegen die jüdischen Collegen und Prinzipale, und dabei werde eine schlimmere Thätigkeit entfaltet, als von den Socialdemokraten. Der Redner verwies auch auf die ausgesprochene antisemitische Leitung in Hamburg und in den Zweigvereinen, auf das Verhalten der Wortführer in Berlin, auf Ton und Inhalt der Fachzeitung, besonders aber darauf, wie der Verband Auskunft über die Prinzipale einhole und ertheile. Aus diesen Gründen batten viele kaufmännische Vereine, z. V. diejenigen in Reu-Ruppin, Stargard, Greifswald u. a. m. beschlossen, Angehörige des Vereins nicht zu engagieren und ihre Handlungsgehilfen, die etwa dem Vereine angehören, zum Austritt zu veranlassen. Zuletzt warnte der Redner die jungen Leute davor, dem Vereine beizutreten, als dessen Mitglieder sie Gefahr liefen, beim Stellensuchen von den zahlreichen Gegnern des Verbandes nicht berücksichtigt zu werden. In seiner Entgegnung destritt Herr Elberding, daß sein Verein antisemitische Agitation betreibe. Daß der Verein Juden nicht ausgenommen habe, begründete er mit der bekannten Manier, Juden als Angehörige einer andern Rasse zu den Nichtdeutschcn zu zählen. Wenn die Studentenverbindungen und andere Vereine Juden von der Mitgliedschaft ausschlössen, müsse er dieses Recht auch für seinen Verein in Anspruch nehmen. Was den Mißbrauch mit dem Worte „national" anbetrcffe, den der Vorredner dem Vereine vorgeworfen habe, so würde derselbe auch von den Juden geübt, indem sie sich zu national^jüDt]d)en Studenten- und Zionistcn-Vereinen zujammenschlössen, in die ausgenommen zu werden kein Christ beanspruchen würde. Nachdem der Gegenredner diese Ausführungen sachlich widerlegt und dann noch in ziemlich erregter Weise dagegen protestiert batte, daß dieser junge Verbandsvertreter es wage, den deutschen Juden ihr Deutschthum abzusprechen,' machte er die Anwesenden darauf aufmerksam, wie klar nun die wirklichen Ziele des Verbandes lägen. Es lohne jetzt nicht weiter zu diskutieren; wer seiner Meinung sei, möge mit ihm den Saal verlassen. Dieser Aufford, rung folgten alle Anwesenden bis auf fünf junge Leute, von denen zwei schon früher Mitglieder des Verbandes waren. Damit war der Zweck der Versammlung, in Angerburg eine Ortsgruppe zu