Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 11 (November 1902)
- Article
- Berlin / S.
- Date
- 1902-11-01
- Page
- 632 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Im deutschen Reich. 632 Zweck seiner Verteidigung die Ausdrücke zu wiederholen, die den Gegenstand der wider ihn erhobenen Klage gebildet hätten. Bei der im 4. Berliner Wahlbezirk durch das Hinscheiden des Pros. Dr. Virchow veranlaßten Stadtverordneten Ersatzwahl für die 3. Abtheilung wurde der liberale Bezirksvorsteher Kotlokowskl) mit 934 Stimmen gewählt. Der von den Antisemiten ausgestellte Rechtsanwalt Ulrich brachte cs aus 105 Stimmen. Die „Krcuz-Ztg." schrieb am 3. November: „Der Central- Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" in Berlin hatte zum Sonnabend einen Bortrag des „Kirchenraths" Rabbiners vr. Kroner über den württcmbergischeu „Jud Süß" angekündigt. Mit welchem Rechte wird diesem Rabbiner der Tckel „Kirchenrath" beigelegt? Der Begriff „Kirche" ist doch nur ans christliche Religionsgemeinschaften anwendbar." — Dazu bemerkt die „Israelitische Wochenschrift": „Der Begriff „Kirche" ist auf jede Religionsgemeinschaft anwendbar und wird Lhatsächlich auf jede angewendet. Im vorliegenden Fall muß die „Kreuz-Zeitung" mit der württembergischen Regierung hadern, die den jüdischen Kirchenrath geschaffen. Auch mit der badijchen Regierung muß sie sich auseinandcrjetzen, die einen Oberkirchenrath der Israeliten eingerichtet hat." — Die „Regensburger Morgenpost" äußert sich wie folgt: „Die Frage der „Kreuz-Zeitung" ist zweifellos berechtigt, nicht weniger aber die Frage, die wir zu stellen haben: Mit welchem Rechte werden protestantische Generale, Oberpräsidenten u. s. w. Dompröbste, Domdccbanten und Domkapitulare und protestantische Prediger Aebte genannt und beziehen aus beschlagnahmtem katholischem Kirchenvcrmögen die mit jenen katholisch-kirchlichen Acmtern verbundenen Einkünfte, wo sie doch als Protestanten und Laien jene Acmter gar nicht bekleiden können? Der Rabbiner bezieht aus dem Titel „Kirchenrath" jedenfalls kein Einkommen, während die erwähnten Protestanten neben den für sie ganz unmöglichen Acmtern auch die Einkünfte aus demselben in Anspruch nehmen. Um Antwort wird höflichst gebeten." Ter „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" der am 2. Januar d. Js. sein zehnjähriges Stiftungsfest beging, veröffentlicht mit seinem Programm für die beginnende Wintersaison einen Bericht über seine Entwickelung und Wirksamkeit während des abgelaufenen Jahrzehnts. Danach ist die Zahl der Mitglieder auf 654, die Summe der Einnahmen auf 8449,85 Mk. gestiegen. Neben den Vortrags- und Diskussions-Abenden, welche während der Wintermonate abwechselnd alle 14 Tage stattfandeu, hat der Verein Fortbildungs- Curse errichtet, welche hebräische Sprache, Religionslehre und jüdische