Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 11 (November 1902)
- Article
- Professor H. Steinthal
- Date
- 1902-11-01
- Page
- 616 (sequence 13)
- Language
- German
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616 Im deutschen Reich. nur eins und immer dasselbe zu sagen: „lernt sie kennen, wie sie jetzt sind und in der Geschichte waren." Die Vorurtheile und Bosheiten, unter denen die deutschen Juden zu leiden haben, dürfen sie — so predigt Steintha! — in ihrer Vaterlandsliebe nicht verbittern und erschüttern. Es ist eine edle Rache, welche der große Denker seinen Glaubensbrüdern in ihrem Kampfe ums Recht anrät. Ich höre den deutschen Juden, der ob der erfahrenen Gehässigkeiten ungesehene blutige Thränen vergießt, sprechen, wenn Steimhal in seiner Ethik (S. 259) sagt, daß die Vaterlantsliebe unerschüttert auch in der Seele des Unglücklichen fortwalteu muß, „dem ein Theil der Mitbürger sagt: Du gehörst nicht zu uns, du List ein Fremder. Er muß in sich wissen, wozu er gehört; denn er muß sich Zugehörig machen, er muß nütbauen helfen an dem Bau der Ration, helfen den Gegensatz auszugleichen, den Riß heilend zu schließen, die Lücken auszufüllen." Steinthals herrliches Motto: „dviyw xai i-iyoo, halte dich aufrecht und entsage", stemme dich gegen das Leid, daß dir die Vernunft nicht schwindet, halte dir Sinn und Herz offen für alles Wahre, Schöne und Gute und die Hand willig der Liebe; selbst leidend, hilf den Leidenden, wie du kannst, vereinzelt und vereint (Ethik S. 441)" muß die Parole für alle deutschen Juden werden.