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Im deutschen Reich · 1902-11-01 · Heft 11 (November 1902) · p. 606

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 11 (November 1902)
Article
Professor H. Steinthal
Date
1902-11-01
Page
606 (sequence 3)
Language
German
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Im deutschen Reich. Mo Der Leser empfindet sogleich: hier herrscht nicht die Phrase, hier spricht eine seelische Individualität. Seine außerordentliche umfassende wissenschaftliche und persönliche Welterfahrung belebt seine Darstellungsart. Durch die strenge, künstlerisch klare Architektonik des Aufbaues, durch die stets gleich edle, schmucklos schlichte Sprache erinnert sein Stil an die Meisterschöpfungen griechischer Denker. Daher gewährt die Lektüre seiner Bücher, ganz abgesehen von ihrer sachlichen Bedeutung, einen hohen formalen ästhetischen Genuß. Die Eigenart seines Vortrages hat sein Schüler Professor Friedrich Paulsen in ebenso geistvollen wie sympathischen Worten geschildert. (Vojsijche Zeitung vom 16. März 1899.) Hajim Steinthal ist am 16. Mai 1823 zu Gröbzig im Anhaltischen geboren. Ein begabter Schüler der trefflichen herzoglichen Franzschule in Dessau, Baruch Herzfeld, ist sein Lehrer vom 8. bis zum 13. Jahre. Er wird in strengster Religiosität erzogen. Noch im späten Greisenalter tönen in ihm die Synagogenlieder, denen er in seiner Kindheit lauscht, nach. Frühzeitig ist er verwaist. Seit 1843 studiert er in Berlin Philologie und Philosophie. In dieser Zeit beginnt für ibn eine Periode ernster innerer Kämpfe. Zn guter Stunde lieft er die „Religionsphilosophie der Juden oder das Prinzip der jüdischen Religiensanschauung" (1842) des Philosophen Samuel Husch (geb. 1820 in Bonn, gcst. 1889 in Chicago). Wie gewaltig die Ideen dieses Buches den Jüngling bewegt haben, schildert noch beredt der Greis. Er dankt ihm inbrünstig, „weil gerade die Gedanken dieses Mannes in meiner ersten Jüng'.ingszeit meine Religion erhellt, mein Judentum gestaltet und mich während meines Lebens nicht verlassen haben. Er hat mir die Rüstung für den Kampf gegen den Gegner gegeben, den ich zuerst auf der Universität kennen lernen sollte — Hegel." (Allg. Ztg. d. Judenth. 1895, S. 127.) 1850 habilitiert er sich in Berlin und hält hier Vorlesungen über allgemeine Sprachwissenschaft und Mythologie. 1852 geht er, um chinesische Sprachstudien zu pflegen, nach Paris, wo er bis 1855 verweilt. Seit 1863 ist er Professor der allgemeinen Sprachwissenschaft an der Berliner Universität. Als solcher hält er (22. Juni 1867) die Gedachnisrede auf Wilhelm von Humboldt an dessen hundertstem Geburtstage. Seit der Begründung der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums (1872) hält er an ihr Vorlesungen über biblische Bücher, biblische Theologie, Religionsphilosophie und Ethik. Am 14. März 1899 ist er nach längerer Krankheit in Berlin gestorben. Don seinen Arbeiten sind besonders zu nennen:

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