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Im deutschen Reich · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. 594

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Article
Houston Stewart Chamberlain [Rezension]
Date
1902-10-01
Page
594 (sequence 2)
Language
German
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Im deutschen Reich. '>94 Die vorliegende kleine Schrift, welche ursprünglich Ln der von Ludwig Jacobowskv herausgegebenen „Gesellschaft" erschienen ist, bespricht das von den Geschäftsantisemiten und vielen ineompetenten Beurtheilern gepriesene Buch: Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts von Houston Stewart Chamberlain. Wie diejenigen Leser wissen werden, welche dies Buch oder Besprechungen desselben kennen gelernt, verficht der sich Chamberlain nennende Wiener Privatdocent namentlich zwei Wahnideen: 1. Nicht Erziehung und Umgebung, sondern die im Körperbau sich kundgebende Rasse sei für das intellektuelle, ethische und ästhetische Verbalten der Menschen entscheidend. 2. Alle wahre Kultur sei, soweit noch heute existierende Rassen in Betracht kommen, allein Erzeugniß und Ergebniß der blondbaarigen und blauäugigen Rasse, die Chamberlain Germanen nennt. Consequent zählt er aber auch Franzosen, Spanier, Italiener, Russen und Angehörige anderer Nationen, wo es ihm in den Zusammenhang paßt, zu den Germanen. So seien Dante, Franz von Assisi, Thomas von Aquino, Pascal, Cavour, Crispi k. Germanen; König David und Jesus Christus seien, wenn auch nicht sicher Germanen, so doch jedenfalls nicht Semiten oder der Nationalität nach Juden gewesen. Wen aber Herr Chamberlain nicht leiden kann, den sieht er als „Semiten" oder als Angehörigen des „Völkermischmascbs" an, worunter er die Masse der romanischen Nationen versteht. Gegen die Juden werden von ihm eine Menge gemeiner, zum Theil geradezu lächerlicher antisemitischer Verleumdungen verbreitet. H. C. weist nun überzeugend nach, daß das Buch Chamberlains „ein schlechtes Buch" ist, „unklar und unlogisch im Gedankengang und unerfreulich im Stil, voll falscher Bescheidenheit und echtem Hochmuth, voll echter Unwissenheit und falscher Gelehrsamkeit." Insbesondere gut gelungen sind die S. 10, 11 und 39 gegebenen Ausführungen H. C.'s, welche zeigen, daß wir in ihm einen gründlichen Kenner des Rechts zu sehen haben. Die Lifte der einander völlig widersprechenden Stellen in Chamberlains Werk, die H. C. Seite 2* bis 32 giebt, dürste über den wahren Werth des von ihm bekämpften Elaborates keinen Zweifel lassen. Trefflich charakterisiert endlich auch H. C. die Art, in der Chamberlain, der selbst die Blondhaarigen für „auserwählt" hält, und seinesgleichen die ethische Inferiorität der Juden damit begründen, daß die Juden sich für das auserwählte Volk erklären, mittelst einer bekannten Anekdote:

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