Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1902)
- Article
- Glogau
- Date
- 1902-10-01
- Page
- 582 (sequence 3)
- Language
- German
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582 Im deutschen Reich. der Graf int Schloßhofe in Kleiu-Tschirne ein Kaiserhoch aus, worauf die National - Hymne gesungen wurde. Daun folgte eine längere Ansprache des Grafen, in welcher die Reiter belobt und aufgefordert wurden, das Pferd, das edelste Thier der Schöpfung, zu pflegen. In derben antisemitischen Redewendungen wurden sie daran erinnert, daß sie deutsche Bauern seien und den christlichen Handel unterstützen möchten. Die Redakteure der jüdischen Blätter wurden vom Herrn Grafen mit wenig schmeichelhaften Worten bedacht." CI Thorn, 2. Oktober. Vor der hiesigen Strafkammer hatte sich am 22. v. Mto. der Kaufmann Wladislano Sztukowoki aus Tremesien, früher in Briefen, wegen falscher 'Anschuldigung zu verantworten. Am 12. September lief bei dem Polizeipräsidium zu Berlin eine anonyme Anzeige aus Briefen ein, daß ein anarchistisches Komplott im Gange sei mit dem Zwecke, den Kaiser Wilhelm und den Zaren von Rußland gelegentlich ihrer Zusammenkunft in Danzig zu tödten. Der Briesschreiber gab an, er habe vier jüdische Männer und eine Frauensperson, die zu der geheimen Verbindung gehörten, eines Abends auf dem jüdischen Kirchhofe zu Briefen bei einer Unterredung belauscht. Unter den Männern sei der Kaufmann Mar Altmann zu Briefen gewesen. Das Schreiben wurde dem Landrathsamte zugesandt. Da die schweren Anschuldigungen gegen den Altmann jeglichen Anhaltes entbehrten, blieb dieser von erheblichen Unannehmlichkeiten verschont. Man forschte indessen nach dem Absender des Schreibens. Bald entstand der Verdacht, daß Sztnkowski es sein könne. Sztnkowski hatte im März 1!*<i0 in Briefen ein Tuch- und Manufakturwaareugeschäft eröffnet, dao anfänglich blühte, daun aber sehr zurückging. Altmann war sein hauptsächlichster Konkurrent; ihn wollte Sztnkowski wohl schädigen. C ibe Juli 1901 erhielt Mmann's Verkäuferin, Fräulein Franziska Szymanski, einen Brief, der anscheinend von Sztukowski stammte, mit der Aufforderung, ihre Stellung bei dem jüdischen Kaufmann aufzugeben und sich bei einem sehr wohlhabenden Kaufmann in Köln unter einer Chiffre-Adresse zu melden. Offenbar sollte hierdurch Altmauu seine tüchtige Verkäuferin verlieren, welches Manöver aber nicht glückte. In der Verhandlung bestritt Sztnkowski, der Verfasser des Schreibens an das Polizeipräsidium zu sein. Das Gutachten zweier Schreibsachverständigen, darunter von l)r. Jeserich'Charlottenburg, lautete aber dahin, daß er die Eingabe geschrieben haben müsse. Der Gerichtshof erachtete ihn für überführt und verurtheilte ihn zu drei Monaten Gefängniß, sprach auch dem Kaufmann Altmann die Befugniß zu, das Urtheil nach eingetretener Rechtskraft im Briesener Kreisblatt auf Kosten des An-