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Im deutschen Reich · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. 556

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-10-01
Page
556 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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556 Am deutschen Reich. Umschau. am 29. September erfolgte plötzliche Hinscheiden des frandSäh zösijchen Schriftstellers Emile Zola ist ein Ereigniß, welches in allen Kulturstaaten auf zahlreiche Gemüther erschütternd eingewirkt hat. Seit Ulrich von Hutten in Deutschland den Dunkelmännern seiner Zeit mit scharfen Episteln entgegentrat und mit dem Worte „Ich hab's gewagt mit Sinnen" seinem unerschütterlichen Muthe Ausdruck lieh, seit Voltaire für den unglücklichen Calas eine Lanze brach, den Greueln der Tortur ein Ende machte und den Heuchlern sein „Ecrasez i’infäme!“ entgegenschmetterte, ist kein kühnerer Wahrheitskämpfer auf dem Plan erschienen als Emile Zola. Er war es, welcher durch seine kraftvolle Proklamation „Paccuse!“ das Lügengewebe der antisemitischen Verfolger des unglücklichen Kapitäns Alfred Dreyfus vernichtete; er war es, der die Elenden, welche den jüdischen Kapitän als Opfer für ihre feilen Verräthereien auf der Teufelsinsel büßen lassen wollten, vor der öffentlichen Meinung Europas anklagte und dadurch den Unschuldigen rettete. Diese Großthat trug aber dem bis dahin allgemein gefeierten Schriftsteller Haß und Verfolgung ein; Jahre hindurch mußte er in der Verbannung leben, und als ihm endlich die Heimkehr gestattet war, hatte er infolge der Verleumdungen seiner unversöhnlichen Gegner einen großen Theil seiner früheren Volksthümlichkeit eingebüßt. Ueber das Grab hinaus verfolgt ihn noch der Haß heuchlerischer Dunkelmänner und verkommener Prätorianer. Dieser Haß ist jedoch sein größtes Ehrendenkmal; er sichert ihm ewigen Nachruhm, denn der unbefangene künftige Geschichtsschreiber wird daraus nur erkennen, daß es dem Patrioten Zola nicht etwa darum zu thun war, einen einzelnen Unschuldigen von der Teufelsinsel zu befreien, sondern darum, sein Vaterland von dem Joch der Geistesknechtschaft und der Schmach der in einzelnen militärischen Kreisen eingerissenen Korruption zu befreien. Derselbe Drang nach Wahrheit, der ihn zum bedeutendsten naturalistischen Schriftsteller seines Volkes gemacht hatte, veranlaßte ihn, den im öffentlichen Leben stehenden Lügnern die Maske vom Gesicht zu reißen und für das im Prozeß Dreyfus so schwer gekränkte Recht heldenmüthig einzustehen. Denen, die ihm vorwerfen, daß er damit seine

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