Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1902)
- Article
- Judengemeinden im mittelalterlichen Deutschland
- Date
- 1902-10-01
- Page
- 543 (sequence 1)
- Language
- German
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Judengemeinden im mittelalterlichen Deutschland. 543 Iudengememden im rnittekattertichen Deutschland. Von vr. K. WeigL-Hannover. _ sNachdruck verboten.^ Schon längst vor der Zerstörung Jerusalems durch Titus hatten sich, wie allgemein bekannt, die Juden über den ganzen Orient verstreut. Alexander der Große erblickte in ihnen mit Recht ein ebenso geeignetes wie bedeutsames Element für die Bevölkerung der von ihm gegründeten Städte. Alexandria in Egypten, die Königin der zahllosen Alexanderstädte und bei weitem die zukunftsreichste unter den Stiftungen des genialen Städtegründers, schloß von Anfang an eine kopfftarke jüdische Bevölkerung in sich, die alsbald zwei von den fünf volkreichen Quartieren der Riesenstadt einnahm. (Es war alte Sitte, im Orient wie im Occident, daß die Fremdenkolonien in den Hafenstädten in besonderen Quartieren zusammenfaßen; es fei erinnert an die Phönicierquartiere in Athen und in Puteoli, dem heutigen Pozzuoli). Zwischen den Griechen und Juden Alexandrias, zwei gleich geistreichen gleich leidenschaftlichen und gleich erregbaren Bevölkerungstheilen, gab es fortwährend Streitigkeiten, die nur zu oft zu blutigen Schlägereien ausarteten. Zur Römerzeit gingen fortwährend jüdische wie antisemitische Deputationen an den Cäsarenhof; als Curiosum mag hier erwähnt werden, daß an der Spitze einer solchen alexandrinisch-antisemitischen Deputation ein gewisser Isidor stand: der Name, der heute, mindestens in Deutschland, als specifisch - jüdisch gilt, ist griechisch - egyptischen Ursprungs und bedeutet: „Geschenk der Isis". In Rom befanden sich schon z. Z. der ausgehenden Republik zahlreiche Juden; manche Stellen klassischer Schriftsteller (Horaz, Cicero u. s. w.) beschäftigen sich mit ihnen, zumeist Ln wenig liebenswürdiger Weise. Die Juden Roms — die auch im Mittelalter zahlreich blieben und im Stadttheil rechts der Tiber, in Trastevere, faßen, bis sie in dem (jetzt Niedergelegten) Ghetto am linken Flußuser, am Fuß des Aventin, zusammengepfercht wurden — beschäftigten sich zu-