Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1902)
- Article
- Antisemitismus und Wissenschaft
- Date
- 1902-10-01
- Page
- 541 (sequence 5)
- Language
- German
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Antisemitismus und Wissenschaft. 541 IV. Schlußwort. Die Ehrenpflichten des Judenthums gegenüber allen diesen Angriffen des wissenschaftlichen Antisemitismus bestehen: 1. in einer energischen Anregung und finanziellen Förderung der jüdisch-apologetischen Literatur. Die rühmenswerthen, wenn auch spärlichen Anfänge zu einer solchen Vertheidigungsliteratur von Jakob Schreiner, Leo Bäck, Hermann Dogelstein, Felix Perles dürfen nur als erste Bausteine zu einer sachgemäßen jüdischen Apologetik betrachtet werden. Geeignete kürzere Publikationen sind als Flugschriften in Massen zu verbreiten; 2. in einer Stärkung aller derjenigen Organisationen, welche sich die Verteidigung des Judenthums gegen antisemitische Angriffe zur Aufgabe machen. Die sachgemäße Ueberwachung der antisemitischangekränkelten Literatur ist diesen Vereinigungen zur ernsten Pflicht zu machen. Ich erachte es als ein besonderes Verdienst des Central. Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, daß er in seiner Zeitschrift wiederholt gegen diesen wiffenschaftlichen Antisemitismus mit ehrlichem Eifer Front gemacht hat**). Die Gefahr des wissen, schaftlichen Antisemitismus ist aber heute eine so große, daß neben der Rechtsschutzkommisfion des Centralvereins eine Kommission zur Ueberwachung des wissenschaftlichen Antisemitismus ihre volle Berechtigung haben dürfte. Eine derartige Kommission müßte in zwei Uuterabtheilungen zerfallen, deren erste die Ueberwachung der volkswirthschaftlichen Literatur zu übernehmen hätte. Die Behauptungen von der auffallend stark jüdischen Kriminalität, von der Concentration des Volksvermögens in jüdischen Händen, von der Schuld der Juden an der Verschuldung von Grund und Boden gehören heute zum eisernen Fonds der volkswirthschastlichen Literatur, der von den Katheder rohen Marmor dieser Gedanken künstlerisch gestaltet zu haben. Der Ruhm des goethischen Faust wird nicht im mindesten dadurch beeinträchtigt, daß Goethe ein altes Volksbuch vom Doktor Faustus bekannt gewesen. Im Gegentheil wird die titanische Gewalt goethischer Poesie durch den Vergleich mit dem Volksbuche erst in das rechte Licht gestellt; ganz ebenso wie die einzige Größe Israels erst durch den Vergleich mit der sogenannten assyrisch, babylonischen Poesie und Religion evident wird. **) Ich erinnere an den prächtigen offenen Brief Emil LehmannS an Prof. Paulsen im 3. Jahrg., an Ludwig Fulds Aufsatz im 5., und an die hervorragende Kritik von Schmollers Ausführungen über die Juden im 7. Jahrgange der Vereinszeitschrift „Im deutschen Reich*.