Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Article
- Im Dienste der Menschlichkeit [Rezension]
- Date
- 1902-09-01
- Page
- 534 (sequence 2)
- Language
- German
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534 Im deutschen Reich. Nerständniß der Zeit und der Menschen. Das Festspiel gliedert sich in drei Theile. Das erste: Israel Jacobson führt uns in die Behausung des Handelsjuden Veit und schildert das Leben der Juden um das Jahr 1801: mißhandelt und gedrückt von außen, sind sie innerlich nicht mehr befriedigt von der einzigen geistigen Nahrung, die der Talmud bietet. In die Familie treten der Rabbi Herzberg und der braunschweigische Kammeragent Israel Jacobson; sie vertreten die sich bekämpfenden Richtungen im Judenthum: der eine steht alles Heil der Juden in der völligen Abschließung von Andersgläubigen und befürchtet von jeder Neuerung eine Zersetzung des Judenthums; der andere will die überlebten Formen sprengen, um das reine Wesen des Glaubens zu erhalten, er will das jüdische Volksthum preisgeben und an den reichen Früchten der Cultur für seine Glaubensgenossen vollen Antheil haben. „Wir sind deutsche Juden, und deutsch muß fühlen lernen unser Herz." Dazu soll ihm die Schule dienen, die er mit Unterstützung seines Herzogs gründen will. In einem stillen, abgeschiedenen Ort, Wo Feld und Wiese, Berg und Thäler wechseln Und deutscher Wald in Friedcnsklängen rauscht, In meines Herzogs Land, will ich erwerben Baugrund und Acker, eine Schule bauen Und dorthin arme Judenkinder rufen, Die fromm und ehrbar sind; dort sollen sie Zu edlem deutschem Handwerk tüchtig werden Und lernen, deutschen Boden auch bestellen, Daß sie dereinst als Bürger ihre Hände In Arbeit regen für's gemeine Wohl Und auch verstehn den Pulsschlag ihrer Zeit In allen Adern des bewegten Lebens. Gegen den Widerspruch des Vaters und unter der freudigen Zustimmung der Großes ahnenden Mutter nimmt Jacobson den ältesten Knaben Baruch mit: er soll als einer der ersten ausziehen, allen Menschen zu verkünden, daß in dem Sonnenlichte der Cultur die Krone jedes Glaubens ist. Der zweite Theil „Des Stifters Werk", der 1815 spielt, zeigt uns die Schule in ihrer Wirksamkeit. Wir sehen das stille, geschäftige Treiben der Knaben, die mit ihren christlichen Mitschülern in trauter Harmonie leben. Die Schlachten und Siege der Freiheitskriege haben sie begeisterungsvoll mitgelebt; denn sie haben deutsch fühlen gelernt, und vor allem, ihr geliebter Lehrer, Baruch Veit, ist hinausgezogen, um an der Seite der christlichen Brüder die Freiheit zu erkämpfen.