Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Article
- Berlin
- Date
- 1902-09-01
- Page
- 507 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316689-2316697-2330144--10008-2330230- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Korrespondenzen. 507 Korrespondenzen. Berlin, 20. September. Die „Staatsbürgea-Zeitung" veröffentlichte am 9. d. M. unter der Ueberschrift „Mißglückte Judenspekulation" nachstehende, ihr am 10. d. M. von der Dresdner „Deutschen Wacht" pflichteifrigst nachgedruckte ^Tartarenbotschaft": „Wie wir erfahren, hat man sich von jüdischer Seite unter Ausnützung hoher Verbindungen bemüht, den Vertretern der jüdischen Gemeinde Berlins beim Könige von Italien bei dessen jüngster Anwesenheit in Berlin eine Audienz auszuwirken. Zur Unterstützung dieses Schrittes erschien in der „Jüdischen Presse," dem Organ des bekannten vr. Hirsch Hildesheimer, kurz vor dem Eintreffen des Königs ein Artikel, der in überschwenglicher Weise „des glorreichen Fürsten glorreichen Enkel" feierte und besonders laut die Lhatsache rühmte, daß der junge König von Italien einen Juden zum Kriegsministcr ernannt habe. Ter Liebe Müh' war vergeblich, die Audienz ist nicht gewährt werden." — Wer der Antisemitenpresse diesen „Bären" aurgebunden hat, wird wohl nie an die Ocffentlichkcit dringen. Weder von den „Vertretern der jüdischen Gemeinde," noch von irgend einer sonstigen jüdischen Korporation ist eine Audienz bei dem Könige Victor Emanuel nachgesucht worden, deren etwaiger Zweck schlechterdings gar nicht abzusehen wäre. Die Lhatsache, daß von den an der Berliner Universität im letzten Jahre für wissenschaftliche Arbeiten verliehenen sieben Preisen sechs von jüdischen Studierenden erworben wurden, veranlaßt den Herausgeber der „Deutschen Zeitung", vr. Fr. Lange, zu der nachstehenden Aeußerung: „Darin läge für die übrige Studentenschaft etwas Beschämendes, um so mehr, als ja nur etwa der zwölfte Theil der Studentenschaft jüdisch ist. Aber nachdem wir gesehen haben, wie in so innerlichen Dingen, wie es Eheschließung und Religionswechscl sind, bei den Juden geschäftliche Erwägungen Mitwirken, wird man zur Entschuldigung des deutschen Theils der