Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-09-01
- Page
- 504 (sequence 13)
- Language
- German
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504 Im deutschen Reich. in den Dienst jüdischer Fabrikanten zu treten — sei es aus besonderer Neigung sei es um der ihnen winkenden Gehalts- und Tantieme- Einnahmen willen — auf eine weitere Thätigkeit im militärischen und staatlichen Dienste verzichten müssen. Der Fall des Herrn Eisenbahnministers darf keine Schule machen. — Hierbei mochten wir noch einen kleinen Vergleich anstellen. Die demokratischen und liberalen Blätter verhöhnen den kampflustigen antisemitischen Grafen Pückler von Klein-Tschirne, weil dieser sich zu seinem besonderen Vergnügen eine kleine ländliche Reitertruppe ausgerüstet hat, die ihm bei festlichen Gelegenheiten einen harmlosen Ehrendienst versehen soll. Wenn aber Isidor Löwe in seinen „Salons" ein üppiges Festessen giebt und dabei „seine Offiziere" in glänzenden Uniformen um sich zu sehen liebt, so verneigen sich die stolzen Vertreter jener Blätter vor dieser Geld- und Machtentfaltung bis tief zur Erde!" Daß dieser Vergleich hinkt, wird jedem Unbefangenen einleuchten, aber auch diese gehässige Auslassung dürfte den Nutzen haben, Kreise, die der Abwehr feindlich entgegen traten, geneigtwaren, zu überzeugen, daß daß dies ein verhängnißvoller Jrrthum war, daß kein noch so verdünnter Trank aus der antisemitischen Hexenküche schadlos bleiben kann, oder gar irgend eine Heilwirkung zu erzielen vermag. Diese Bewegung hat in allen Staaten, wo sie sich geltend machte, das politische Leben vergiftet und die Parteien zerrüttet, welche aus ihr Nutzen zu ziehen hofften. In Deutschland wurde die konservative Partei durch den Antisemitismus in eine Sackgasse geführt, aus der sie noch keinen Ausweg gefunden hat, und der „Bund der Landwirthe" wurde von Plötz zu Wangenheim, von diesem zu Diedrich Hahn gebracht, um vielleicht bei Liebermann von Sonnenberg still zu stehen. In Frankreich, wo der Antisemitismus fast noch verwirrender gewirkt hat, ist er durch neue Konflikte in den Hintergrund gedrängt worden. Seitdem sind dort die Macher der antisemitischen Bewegung einander in die Haare gerathen, und nun kommen dadurch recht verblüffende Sachen ans Tageslicht. Domergue, der ehemalige - Sekretär und Freund des algerischen Bandenführers Max Regis, bezichtigt den gefallenen Heros von Algier, für Wahl und Propagandazwecke ihm anvertraute Summen unterschlagen, Erpressungen verübt, alle seine Freunde und Gönner betrogen und verrathen zu haben u. s. w. Gewisse Borwürfe werden nur verhüllt vorgebracht, so besonders der, daß Max Regis nichts Anderes als eine Art Zuhälter sei. Wie Domergue -versichert, hat Rochefort, als Rsgis im 9. Pariser Wahl-