Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 8 (August 1902)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1902-08-01
- Page
- 459 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nereinsnachrichten. den Nervenarzt Herrn vr. Jeremias in Posen, welcher am 30. Mai d. I. in der „Allg. Ztg. des Judenthums" erklärte, „der jetzt lebenden Judengeneration sei der Stempel nervöser Entartung unverkennbar ausgeprägt," haben wir s. Z. ein Schreiben gerichtet, dessen Wortlaut wir nachträglich hier*) wiedergeben, um zu beweisen, das; wir uns mit einer wohlwollenden Mahnung begnügt haben, wo vielleicht eine schärfere Tonart angezeigt gewesen wäre. Dies hat Herrn 1)r. Jeremias nicht gehindert, in dem Wiener Zio- *) Sehr geehrter Herr Doktor! In einer Zeit, in welcher so viele Gegner der Juden rastlos bemüht sind, die Ghettomauern wieder aufzurichten, welche in einer glücklicheren Zeit niedergeriffcn wurden, haben wir Juden gewiß Grund, uns vor öffentlichen Äußerungen zu hüten, welche Waffer auf die Mühlen unserer Feinde liefern und es den Antisemiten ermöglichen, ihren unberechtigten Forderungen durch den Hinweis auf angebliche jüdische Zugeständniffe den Schein einer gewiffen Berechtigung zu geben. Wenn ein jüdischer Nervenarzt, lediglich um das Bedürfniß besonderer Irrenanstalten für Juden nachzuweisen, in einem jüdischen FachblatLe erklärt, „der jetzt lebenden Judengeneration sei der Stempel nervöser Entartung unverkennbar ausgeprägt," ist dies eine Behauptung, die, in dieser Allgemeinheit ausgestellt, sicher unzutreffend und nur geeignet ist, die Antisemiten zu veranlaffen, daraus Kapital zu schlagen. Die unbestreitbare Thatsache, daß die Zahl der geisteskranken Juden in Preußen größer ist als die der geisteskranken Christen, sollte von jüdischer Seite nicht erwähnt werden, ahne darauf hinzuweisen, daß die Juden in ganz überwiegender Weise auf Erwerbszweige angewiesen sind, welche die Nerven besonders angreifen. Geht man nicht nach der gesammten Bevölkerungszahl, sondern z. B. nur nach der Zahl der geisteskranken Kaufleute, so dürste sich ergeben, daß es verhältnißmäßig weniger irrsinnige jüdische als christliche Kaufleute giebt, und es würde sich unter steter Zuhilfenahme der Berufsstatistik schwerlich bei den Geisteskranken überhaupt ein ungünstiges Verhaltniß für die Juden Herausstellen.