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Im deutschen Reich · 1902-08-01 · Heft 8 (August 1902) · p. 442

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 8 (August 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-08-01
Page
442 (sequence 12)
Language
German
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442 Im deutschen Reich. vollkommene Typ einer Uebergangszeit. Nach jeder faulen Sache Andacht in der Hauskapelle.-" Eine niedergedrückte Stimmung bekundet sich aber nicht nur wegen dieser Vorkommnisse in dem Lager der Judenfeinde in Deutschland; die Ursache dieser Depression liegt tiefer, nämlich in der Empfindung, welcher der Dr. Guttmann auf dem Rabbinertage den Ausdruck lieh: „Der Fortschritt der Menschheit läßt sich nicht aufhalten. Auf gehcliunißvollen Wegen führt uns die Vorsehung dem Ziele entgegen". Auf diese Aeußerung verweist die „Post" entrüstet mit den Worten: „Das Selbstbewußtfein in Israel wächst von Tag zu Tag". Aus einer Berliner Korrespondenz des Wiener Wochenblattes „Die Zeit" glaubt die Kreuzzeitung" sogar den Schluß ziehen zu können, daß einzelne jüdische Politiker sich bereits auf ihre Berufung in leitende Stellen der Reichsregierung Hoffnung machen. Die „Deutsche Tageszeitung" schließt aus demselben Grunde einen „Jüdische Hoffnungen" überschriebenen Artikel mit dem Satze: „Mit Furcht und Grauen sieht der Landadel, wie die neuen Schichten regierungs- und hoffähig werden." . . . Das Agrarierblatt, welches in einem Artikel „Ein seltsamer Vertrauensmann der Regierung" aus Anlaß der nationalökonomischen Mission des Professors vr. v. Halle in der Provinz Posen bereits ein ähnliches Entsetzen kundgab, irrt sich aber über die Art der jüdischen Hoffnungen, die von der „Post" weit richtiger beurtheilt werden, wenn sie auch die zunehmende Selbstachtung und das wachsende Selbstbewußtsein der deutschen Juden erweist. Als die „Frankfurter Zeitung" in einem Artikel über Rumänien betonte, daß dort in Bezug auf die Judenfrage die Führer der verschiedensten Parteien immer den gleichen Ansichten huldigen, wenn sie an der Regierung sind, fügte sie hinzu: „Den rumänischen Juden kann nur durch die thatkräftrge Unterstützung der öffentlichen Meinung geholfen werden." Dies gilt aber auch in mancher Hinsicht von den deutschen Juden; auch sie müssen fort und fort an die öffentliche Meinung appellieren, damit diese sich vollständig von dem moralischen Spuk der Dunkelmänner abwende und sich von der Ueberzeugung durchdringen lasse, daß es nur eine Grundlage für die Volkswohlfahrt giebt: „Gleiches Recht für alle Staatsangehörige." A. L.

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