Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- X. Berlin
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 394 (sequence 2)
- Language
- German
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394 Im deutsches Reich. übernahm, eine an die christlichen Prediger der benachbarten Gemeinden gerichtete Einladung zu unterzeichnen, genügte dem Pfarrer der Samaritertirche zu einer schriftlichen Ablehnung, die damit begründet war, daß es ihm widerstrebe, kirchliche Fragen auf Einladung eines Juden und einer von einem Juden geleiteten Vereinssammlung zu erörtern. Daß in der betreffenden Versammlung als der Vortragende, ein Mitglied der Kreissvnode Berlin I, der christliche Rechtsanwalt Stettiner, über die allgemeine Interessen berührenden Sy nodal'Beschlüsse sprechen wollle, war in der Einladung angekündigt. Trotzdem ist in einerVersammlung des Parochialvereins der Samaritergemeinde eine Resolution gefaßt worden, in welcher gegen dieEinmischung eines von einem Inden geleiteten Vereins in Angelegenheiten der evangelischen Kirche protestiert wurde. Dagegen ist in dem Bezirksverein angeführt worden, daß es sich garnicht um kirchliche, sondern um „öffentliche" Fragen gehandelt habe, die dadurch nicht zu intern-kwchlichen werden, Laß sie auf den Svnoden besprechen wurden. Die Anregung zur Besprechung der Verhandlungen der Synode Berlin I in dem Bezirksverein ging von dem christlichen Lehrer Wernicke aus; von der wörtlichen Verlesung des erwähnten Ablehnungsschreibens des Pfarrers Koch wurde auf Antrag eines christlichen Vorstandsmitgliedes Abstand genommen. Damit entfallen alle Gründe für die Entrüstung über eine jüdische Einmischung, zu welcher ohne die Erkrankung des christlichen ersten Vorsitzenden des Bezirksvereins den positiv-kirchlichen Mitgliedern der Samaritergemeinde nicht der geringste Anlaß geboten worden wäre. B. (£., Berlin. Der wegen Unterschlagungen von mehr als 50 000 Mk. verhaftete Direktor Georg Meyer geht uns nichts an; es ist uns auch nicht bekannt, ob er der antisemitischen Partei angehörte. Das „Verl. Tageblatt" berichtet nur, daß er ein fleißiger Kirchenbesucher war und an den Sonntagsschnlen als Lehrer amtierte. A. S., Berlin. Braun läge i. Oberharz figuriert bereits in unserer Liste der antisemitischen Erholungsorte. Wir nehmen aber trotzdem nochmals (Gelegenheit vor dem Besuche dieses Kurorts zu warnen, von dem in dem Prospekt berichtet wird, daß er an sumpfiger Stelle erbaut und deshalb früher den Namen „Brannloch" bezw. „Braunlach" erhielt. In dem Prospekte ist aber außerdem S. 6 zu lesen: „Israeliten werden von den Braunlage besuchenden Fremden nicht gern gesehen, deshalb finden dieselben in den Hotels wie auch Privathäusern schwerlich Aufnahme!" Trotzdem wird in demselben Prospekt „Braunlage als Kurort für jeden erholungsbedürftigen Sommerfrischler" empfohlen. Dazu gehören