Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- X. Berlin
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 393 (sequence 1)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 393 Briefkasten der Redaktion. Berlin. Daß sich der Hofprediger a. D. Adolf Stöcker die Gelegenheit nicht entgehen lassen würde, die Angriffe auf die Sonntagsruhe-Bestrebungen der Synoden den Juden in die Schuhe zu schieben, konnte niemanden überraschen. lieber die Versammlung im Stadtmissionshause berichtet die ..Israel. Wochenschrift": „Die Ginladung sprach ursprünglich von ..jüdischen Gegnern"; doch die Pächter der Anschlagsäulen lehnten diese Formulierung ab. Herr IX Stöcker sah hierin einen nicht unwesentlichen Grund für den schwachen Besuch der Versammlung, zu der nur etwa 120 Personen, zumeist Frauen, erschienen waren. Herr I). Stöcker ist eben derselbe geblieben seit seinem ersten Auftreten und seit seinem „Scheiterhaufenbrief". Ihm sollte dock eigentlich die Bekämpfung und Bekehrung der christlichen Gegner des christlichen Sonntags mehr am Herzen liegen, als die der jüdischen Gegner". Tie Versammlung hat nach seinem Vortrage eine entsprechende Resolution angenommen, die mit den Worten beginnt: „Die am ♦>. Juni im Stadtmissionshause versammelten Christen u. s. w." Die Zahl der außerhalb des Stadtmissionshauses sich aufhaltenden Christen, die den Standpunkt derBerliner Stadtverordneten-Versammlung theilen, ist sicher erheblich großer, als diejenige der mit der Stöcker-Resolution Einverstandenen — aber gerade deshalb sollten in solchen Fragen, die doch immerhin an religiöse Dinge streifen, diese freisinnigen Christen in die Bresche treten und sich nicht nur damit begnügen. Wortführern zuzustimmen, die durch Geburt oder Abstammung mit dem Judenthum irgendwie Zusammenhängen und den Antisemiten Gelegenheit bieten, jeden Angriff auf „Stöckerei und Muckerei" als „jüdisch" zu bezeichnen. — Der bloße Umstand, daß der 2. Vorsitzende des freisinnigen Bezirksvereins des Ostens. Dr. Raphtali Rosenthal, der an Stelle des erkrankten I. Vorsitzenden, Rektor Nürnberg eine Vereinssammlung leitete, in dieser den Auftrag