Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 363 (sequence 13)
- Language
- German
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Umschau. 363 fahnmgen, welche der katholische Klerus mit der „Los von Rom-Bewegung" in Oesterreich, die österreichische Regierung mit dem Deutschenhaß der galizischen „Schlachta" und der Czechen, die Christlich- Sozialen aber durch die Angriffe der „Alldeutschen" und diese selbst durch den Zwist zwischen den Abgeordneten K. H. Wolf und Schönerer täglich machen. Der Schmutz, der dabei aufwirbelt, widert sogar deutsche Antisemiten an, die bisher gewohnt waren, ihre erfolgreichen österreichischen Gesinnungsgenossen zu verherrlichen; selbstverständlich nicht jene Geschäftsantisemitcn, die nur deshalb noch in Deutschland eine Rolle spielen, weil sich unter ihren Parteigenossen kein „Schalk" oder „Schönerer" gefunden hat, ihnen die Maske vom Gesicht zu reißen. Die „Staatsbürger-Zeitung" und die „Deutsche Wacht" äußern ihre Betrübniß über die Enthüllungen Hlavitschkas bezüglich der „Ostdeutschen Rundschau" und des Zuckerkartells, über die fast vernichtende Anklageschrift Anton Sckalks und der Schönererschen Organe gegen K. H. Wolf. Das Berliner Antisemitenblatt sagt: „Wann werden endlich einmal die Deutsck'en in Oesterreich einig sein gegen den gemeinsamen Feind?" Der Vorwurf der Ehrlosigkeit müßte seiner Meinung nach eigentlich unter judenfeindlichen Kameraden „janz ejal" sein! Bei diesen Schmerzergicßungen bricht sogar die „teutsche" Wahrheitsliebe durch und klingt in den Worten wieder: „Wenn Wolf ein Volksbetrüger ist, so sind es die um Schönerer nicht minder, die ihn so lange gewähren ließen und ihre Mandate zum guten Teil der leidenschaftlichen Agitationsarbeit Wols's verdanken". Die deutschen Antiscmitenblätter drucken mitleidig die naive Selbftvertheidigung Wolfs gegen den Vorwurf eines „hohen Grades sittlicher Verkommenheit" ab: „Meine Beziehungen zu der betreffenden Dame bejän'änken sich auf einen einzigen unglückseligen Augenblick, und ein Brief der Dame konstatiert ausdrücklich, daß seither mein Benehmen gegen sie ein völlig korrektes war. Alle sich ergebenden Verwickelungen stellen sich anders dar, als wenn man sie lediglich mit den Augen des Haffes oder einer schielenden Moralheuchelei betrachtet. Pharisäer freilich, welche aus der Sache eine „Affaire" machen wollen, denken anders." W'e anders pflegt die Autiscn ilenpreffe zu ^urtheilen, wenn ein Lüstling der angeblich „sinnlichen Rasse" einmal „einen unglücklichen Augenblick" erlebt und den Antisemiten, die doch die Pharisäer Haffen. Gelegenheit zur „schielenden Moralheuchelci" giebt! — Ebenso wie die nähere Bekanntschaft mit den sittlichen Qualitäten bisher hochgesinnter antisemitischer Führer trägt das Bekanntwerden der Art der Kampfmittel gegen die Juden dazu bei, den antisemitischen Rausch eines großen