Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- Ein Buch zur Abwehr [Rezension]
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 332 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316689-2316695-2329725--09668-2329842- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
332 Im deutschen Reich. mit Nichten, wie Harnack und Wellhausen es darstellen, Alles wie auf eine Fläche gestellt, sondern mit allem Nachdruck und aller Entschiedenheit die Barmherzigkeit und das Gericht, — wie es die angeführten Aussprüche darthun — in's Centrum des religiösen Lebens gerückt. Darum wird Hartmann nicht mit Unrecht herausempfunden haben, Harnack's Rückkehr zur Lehre Jesu sei eine „judaisirende" Reaktion.' Ob H's. Auffassung von dem Wesen der Religion als reaktionär betrachtet werden solle, darüber mag Jeder selbst sein Urteil bilden. Man braucht auch nur sich auf das Wesen des jüdischen „Monotheismus" zu besinnen, wie aus demselben— im Geiste der Propheten Israel — Juda's — Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Heiligkeit geflossen, wie dieser heiligend und versittlichend auf seine Bekenner gewirkt, um die gehässige Voreingenommenheit zu ermessen, die in den Aeußerungen eines Lagarde und Chamberlains sich kundgiebt „Die Lehre von der Einheit Gottes sei jeden religiösen Werthcs bar", „Die Arithmetik hat mit der Religion nichts zu thun". Gerechtigkeit, nichts als gerechte Beurtheilung ist es, was Schr., was wir von den Vertretern der Wissenschaft fordern, Berücksichtigung und Kenntnisnahme der nachchristlichen Geschichte und Entwicklung des Judenthums, damit sie nicht so verständißlos der Gestaltung und den Aeußerungen des jüdischen Lebens der Gegenwart gegenüber stehen. Wir hegen den Wunsch, daß man zumindest mit größerer Vorsicht Urtheile abgebe. Allen, denen es um die Erforschung der Wahrheit zu thun ist, allen, welche die Erkenntniß der Wirklichkeit fördern wollen, den ernsten Gelehrten und Forschern sei das Wort unserer Weisen ins Gedächtniß g rufen, „Ihr Gelehrten. — seid behutsam in euren Worten, damit diejenigen die aus euren Quellen schöpfen, nicht durch euch in Irrungen gerathen". (Aboth I, 11.) Uns Glaubensbrüdern aber erwächst die Pflicht, gegen alle Angriffe gerüstet zu sein, uns in unsere Lehre, in unsere Litteratur und Vergangenheit zu versenken, und sicherlich wird ein jeder, der Schreiner's Schrift aus der Hand legt, wenn er auch nicht allen Ausführungen des Verfaffers zustimmcn sollte, den Eindruck gewinnen, wir haben unfern Glauben und unsere Lehre hochzuhalten, um unsere Daseinsberechtigung zu erweisen, um unserer Väter würdig uns zu zeigen, und haben in allen Lagen als treue Deutsche jüdischen Glaubens uns zu bewähren. — Landsberg a. W., den 13. Juni 1902. Dr. Bernhard Elsaß.