Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1902)
- Article
- Berlin
- Date
- 1902-05-01
- Page
- 290 (sequence 8)
- Language
- German
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290 Im deutschen Reicksehr übel genommen, daß liberale Blätter vor seinem Treiben warnten. In einem Flugblatte versuchte er deshalb im November 1901 sich dagegen mit der Waffe des Antisemitismus zu vertheidigen und schrieb damals: „Diesem „Unfug schlimmster Sorte" des „Berliner Tageblatts" und der anderen antichristlichen jüdischen Zeitungen, welche schon seit Jahrzehnten durch Glorifizirungen schwindelhafter jüdischer Unternehmungen das Geld der Christen auf Nimmerwiedersehn in unlautere jüdische Hände treiben, sodaß fortwährend Krache den Geldmarkt erschüttern, dagegen den aussichtvollsten Unternehmungen von Christen ohne jede Veranlassung die wahnsinnigsten Verleumdungen in den Weg schleudern, wäre es die höchste Zeit, daß jetzt ein Ende gemacht würde!" — Dieser Ausflug in's Antisemitische hat Herrn Ganowindt auch nicht vor dem Ende gerettet, das unschwer vorauszusehen war! Neu-Ruppin, 7. Mai. Die „Neu-Ruppincr Ztg." berichtet heute: „Die Vorstellung, welche die beiden Häuptlinge der Antisemiten, die Herren 1)r. Giese und Redakteur Kammer aus Berlin, im „Stadtgarten" vor ihren Getreuen veranstalteten, nahm den voraus» .msehenden Verlauf. In Anbetracht des geringen Häufleins berfelbcn begnügte man sich gestern in sonst ungewohnter Bescheidenheit mit dem kleinen Saal des vorgenannten Etablissements. Da man wenig Positives vorzubringen vermochte, so zog man sogleich recht kräftig die antisemitischen Schimpfregifler auf. Recht kräftig wurde wieder die Reklametrommel für das antisemitische „Deutsche Dolksblatt" gerührt. Der Erfolg im Abonnentenfaug scheint das letzte Mal hinler den Erwartungen weit zurückgeblieben zu sein. Und so wird cs auck diesmal wieder auslaufen. Auf die Dauer können selbst die um Ahlwardt, Pückler u. s. w. Stehenden die' ihnen durch die antisemitische Presse aufgetischte Kost nicht vertragen. Eine große Anzahl hiesiger Bürger war zu dieser Versammlung durch folgendes Anschreiben eingeladen worden: „Geehrter Herr! Unterlassen Sie, bitte nicht, zu kommen, und bleiben Sie nach Beendigung der Versammlung noch ein halbes Stündchen. Wir haben es gewiß nötig, uns zusammen zuschließen. Gefährlich soll Ihnen als Geschäftsmann das gewiß nich.' werden. Besten Gruß. Wille." Dazu bemerkt die „Neue Ruppiner Zeitung": „Echt antisemitisch! Selbst der erbittertste Gegner der Antisemiten könnte den feigen Charakter derselben nicht besser kennzeichnen, als es durch diesen Vermerk geschieht." + Posen, 1. Mai. Das am 27. v. Mts. hier erfolgte Hirscheiden eines hochangesehenen Vereinsmitgliedes, desGeheimenJustizraths Orgler, Ehrenbürgers unserer Stadt, erweckte in weiten